AUTISMUS-DIAGNOSTIK bei Erwachsenen

Autismus-Diagnostik bei Erwachsenen

Auf dieser Seite finden Sie Informationen dazu, warum eine Autismus-Diagnostik im Erwachsenenalter sinnvoll sein kann, wie die Diagnostik in meiner Praxis abläuft, was bei zusätzlicher ADHS-Symptomatik mitberücksichtigt werden kann, warum eine sorgfältige differentialdiagnostische Einordnung wichtig ist und auf welche fachlichen Grundlagen ich mich dabei stütze.

Mir ist dabei wichtig, Diagnostik nicht nur als Erfassung einzelner Merkmale zu verstehen, sondern als gemeinsame Einordnung von Lebensgeschichte, Belastungen, Bewältigungswegen und individuellen Besonderheiten.

Themen auf dieser Seite:

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Warum eine Autismus-Diagnostik im Erwachsenenalter sinnvoll sein kann

Eine Autismus-Diagnose ist kein Etikett und keine Schublade. Sie kann helfen, lebenslange Erfahrungen, wiederkehrende Irritationen, besondere Herausforderungen und individuelle Stärken besser zu verstehen und einzuordnen.

Viele Betroffene haben schon früh gespürt, dass sie anders wahrnehmen, anders verarbeiten und in vielen Situationen deutlich mehr Kraft aufbringen müssen als andere. Häufig wurden diese Erfahrungen jedoch nicht erkannt, missverstanden oder als persönliches Versagen bewertet. Das kann zu dauerhafter Unsicherheit, Überanstrengung und dem Gefühl führen, falsch gesehen zu werden.

Autismus-Diagnostik auf Augenhöhe

In der Diagnostik ist mir deshalb wichtig, zunächst ein gemeinsames Verständnis von Autismus zu schaffen. Auf dieser Grundlage kann gemeinsam geprüft werden, ob ein autistisches Profil das Erleben seit Kindheit und Jugend bis heute stimmig erklärt – mit Besonderheiten, Belastungen, Fähigkeiten und individuellen Bewältigungsstrategien.

Eine Diagnose kann entlastend sein. Sie würdigt, was derjenige über viele Jahre geleistet hat: Anpassung, Durchhaltevermögen, kreative Lösungen und den Umgang mit einer besonderen Reizverarbeitung. Was von außen oft nicht sichtbar ist, ist innerlich häufig mit hoher Anstrengung verbunden.

Autismus entsteht nicht durch mangelnde Liebe, schlechte Erziehung oder fehlende Fürsorge. Auch für Angehörige kann eine fundierte Einordnung deshalb sehr entlastend sein. Wenn Zusammenhänge verständlich werden, entstehen neue Möglichkeiten für einen hilfreichen Umgang – im Alltag, in Beziehungen, im Beruf bzw. auf dem Bildungsweg.

Autismus zeigt sich sehr unterschiedlich. Es gibt nicht den einen Autismus, sondern viele individuelle Ausprägungen. Das Spektrum ist nicht als Skala von „leicht“ bis „schwer“ zu verstehen, sondern als Vielfalt verschiedener Wahrnehmungs- und Verarbeitungsweisen. Jeder Mensch bringt dabei ein eigenes Profil mit.

Eine fundierte Diagnostik kann dazu beitragen, Besonderheiten besser zu verstehen, Belastungen gezielter einzuordnen und passende Unterstützung zu finden.

Mir ist in meiner Arbeit wichtig, Menschen nicht auf Defizite zu reduzieren, sondern ihre Lebensgeschichte, ihre Wahrnehmung und ihre bisherigen Bewältigungswege mit Respekt und Sorgfalt zu betrachten. Ich verstehe Diagnostik nicht als Bewertung, sondern als gemeinsame Suche nach einem stimmigen Verstehen – auf Augenhöhe, fachlich fundiert und mit Wertschätzung für das, was ein Mensch bereits geleistet hat.

Sinn einer Autismus-Diagnostik 
im Erwachsenenalter

Zusammenfassend sprechen klinische Leitlinien und aktuelle Studien dafür, dass eine Autismus-Diagnostik im Erwachsenenalter sinnvoll sein kann – insbesondere zur besseren Einordnung der eigenen Lebensgeschichte, zur Entlastung des Selbstbildes und zum Zugang zu passender Unterstützung. 

Viele Betroffene berichten nach einer späten Diagnose von einem tieferen Verstehen der eigenen Person und einem freundlicheren Kontakt mit sich selbst, mehr Selbstakzeptanz und einer entlastenden Einordnung ihrer Lebensgeschichte. Gleichzeitig kann eine fundierte Diagnostik den Zugang zu passender Unterstützung in Alltag, Beruf, Studium und psychischer Gesundheit erleichtern.

AUTISMUS-DIAGNOSTIK bei Erwachsenen

ABLAUF & KOSTEN einer Autismus-Diagnostik für Erwachsene

Eine Autismus-Diagnostik im Erwachsenenalter ist ein sorgfältiger Prozess. Ziel ist es, nicht nur einzelne Merkmale zu erfassen, sondern Ihr Erleben, Ihre Biografie und Ihre aktuellen Belastungen in einen stimmigen Gesamtzusammenhang einzuordnen.

Viele Erwachsene suchen erst spät nach einer diagnostischen Abklärung, weil autistische Merkmale lange kompensiert, maskiert oder als persönliche Schwäche missverstanden wurden. Umso wichtiger ist eine Diagnostik, die differenziert, wertschätzend und verständlich vorgeht.

In meiner Privatpraxis erfolgt die Diagnostik in ruhiger Atmosphäre, mit klarer Struktur und einem neuroaffirmativen Ansatz. Mir ist wichtig, dass Sie nicht nur eine diagnostische Einschätzung erhalten, sondern auch mehr Verständnis für Ihre eigene Wahrnehmung, Belastbarkeit und Lebensweise entwickeln können.

Wie läuft die Autismus-Diagnostik ab?

Die Diagnostik ist in folgende aufeinander aufbauende Abschnitte gegliedert. Dadurch bleibt der Ablauf übersichtlich, transparent und besser planbar:

Die Diagnostik umfasst in der Regel:

1. ein Erstgespräch (ca. 50 Minuten)
2. zwei diagnostische Gesprächsblöcke (je ca. 100 Minuten)
3. ein Abschluss- und Befundgespräch (ca. 30 Minuten)

1. Screening- und Erstgespräch

Der erste Schritt ist ein Erstgespräch. Dieses dient dem ersten diagnostischen Screening, der biografischen Anamnese und einer ersten Orientierung zum weiteren Ablauf.

Vor dem Termin erhalten Sie Zugang zu einer geschützten interaktiven Plattform. Dort können Sie die erforderlichen Unterlagen datenschutzsicher ausfüllen und übermitteln.

Vor dem Erstgespräch auszufüllen:

  • biografische Fragebögen
  • Screening-Fragebögen und orientierende Testverfahren
  • Behandlungsvertrag
  • Datenschutzunterlagen

Falls vorhanden, bringen Sie bitte außerdem Zeugnisse sowie bisherige Arzt- und/oder Therapeutenberichte in Kopie zum Termin mit.

Enthalten sind:

  • 1 diagnostisches Erstgespräch (ca. 50 Minuten)
  • ca. 5 standardisierte Testungen
  • Anwendung und Auswertung orientierender Testuntersuchungen

Kosten des Erstgesprächs inkl. erster diagnostischer Einordnung: 

Je nach Umfang in der Regel ca. 140,00 €*

2. Erster Diagnostik-Block

Im ersten Diagnostik-Block erfolgt eine vertiefte diagnostische Einordnung. Dabei werden zentrale Merkmale des Autismus-Spektrums im Erwachsenenalter genauer betrachtet und in den persönlichen Lebenskontext eingeordnet.

Enthalten sind:

  • 1 diagnostischer Gesprächsblock (ca. 100 Minuten)
  • ca. 5 standardisierte Testungen
  • Anwendung und Auswertung orientierender Testuntersuchungen

Kosten des ersten Diagnostik-Blocks inkl. vertiefender Anamnese und Testungen: 

Je nach diagnostischem Umfang in der Regel ca. 335 €*
 

3. Zweiter Diagnostik-Block

Im zweiten Diagnostik-Block werden weitere Bereiche betrachtet, die im Alltag vieler autistischer Erwachsener eine wichtige Rolle spielen. Dazu können zum Beispiel sensorische Besonderheiten sowie Aspekte der Alltagsorganisation und exekutiven Funktionen gehören, soweit sie für die diagnostische Einordnung relevant sind.

Enthalten sind:

  • 1 diagnostischer Gesprächsblock (ca. 100 Minuten)
  • ca. 4 standardisierte Testungen
  • Anwendung und Auswertung orientierender Testuntersuchungen

Kosten des zweiten Diagnostik-Blocks inkl. Interview und Testungen: 

Je nach diagnostischem Umfang in der Regel ca. 210 €*
 

4. Befundgespräch und Abschluss

Im Abschlussgespräch erhalten Sie Ihren schriftlichen Befundbericht. Gemeinsam besprechen wir die diagnostische Einordnung, offene Fragen und mögliche nächste Schritte.

Für viele ist dieser Termin besonders bedeutsam, weil die Diagnostik mit dem schriftlichen Befund oft noch einmal greifbarer wird. Gleichzeitig beginnt damit häufig ein neuer Abschnitt mit Fragen wie: Was bedeutet das für meinen Alltag? Welche Anpassungen sind hilfreich? Wie gehe ich weiter vor?

Enthalten sind:

  • 1 Abschluss- und Befundgespräch (ca. 30 Minuten)
  • Hinweise zu Selbsthilfe, weiterem Vorgehen und Literatur
  • Befundbericht

Kosten 

Befundgespräch inkl. Befundbericht: Je nach diagnostischem Umfang in der Regel ca. 100 €

Die Abrechnung erfolgt nach GOÄ auf Grundlage der tatsächlich erbrachten ärztlichen Leistungen.

Wenn eine weitergehende schriftliche Einschätzung erforderlich ist, zum Beispiel eine gutachterliche Stellungnahme, wird diese gesondert nach GOÄ berechnet.

5. Neurodivergenz-sensible Zusatzdiagnostik

Bei Bedarf können einzelne Belastungsbereiche ergänzend vertieft werden, zum Beispiel Sensorik, Körperwahrnehmung, emotionale Reizverarbeitung, Masking, Erschöpfung oder Regeneration. 

Diese Aspekte fließen grundsätzlich in die Autismus Diagnostik ein; 

im Rahmen einer Zusatzdiagnostik werden die Belastungsbereiche ausführlicher eingeordnet, um ein individuelles Belastungs- und Funktionsprofil zu erstellen. 

Damit bildet die Zusatzdiagnostik eine Brücke zwischen diagnostischer Einordnung und weiterer Behandlung: Auf dieser Grundlage können Empfehlungen für Therapie, Psychoedukation, Reizmanagement, Strukturhilfen, Selbstfürsorge und Regeneration individueller und alltagsnäher formuliert werden.

Nachsorge nach der Autismus-Diagnostik

Mit dem schriftlichen Befundbericht sind oft nicht alle Fragen abgeschlossen. Für viele Menschen beginnt danach erst ein neuer Abschnitt: Was bedeutet die Diagnose konkret für meinen Alltag? Welche Anpassungen könnten hilfreich sein? Wie gehe ich mit Überforderung, Reizbelastung, Prokrastination, Erschöpfung oder sozialem Anpassungsdruck um?

Daher biete ich bei Bedarf Nachsorgegespräche an. Diese können psychoedukativ, beratend und behandlungsspezifisch ausgerichtet sein und dazu dienen, die diagnostischen Erkenntnisse alltagsnah zu übersetzen und individuelle nächste Schritte zu entwickeln.

Je nach Bedarf kann es dabei zum Beispiel um folgende Themen gehen:

  • Reizmanagement und Energiemanagement
  • Prokrastination, Selbstorganisation und Alltagsstruktur
  • Selbstwert und Umgang mit Überforderung
  • hilfreiche Anpassungen im privaten, beruflichen oder sozialen Alltag

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Was ist, wenn zusätzlich ADHS abgeklärt werden soll?

In solchen Fällen kann die Diagnostik individuell erweitert werden. Ziel ist es, ein möglichst stimmiges Gesamtbild zu gewinnen, ohne den Ablauf unnötig zu verkomplizieren.

Wenn im Rahmen einer laufenden Autismus-Diagnostik zusätzlich eine ADHS-Abklärung sinnvoll wird, ist dafür in der Regel kein weiteres Erstgespräch und kein zusätzliches Abschlussgespräch erforderlich. 

Ergänzt wird dann in der Regel nur ein zusätzlicher diagnostischer ADHS-Block mit einem Gesprächsanteil von ca. 100 Minuten. Hinzu kommen die Anwendung und Auswertung spezifischer ADHS-Fragebögen/Testungen sowie die entsprechende Befunderstellung.

So bleibt die Diagnostik einerseits flexibel und individuell, andererseits aber weiterhin klar strukturiert und transparent.

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Warum die Diagnostik in mehreren Schritten erfolgt

Der Weg muss nicht auf einmal sichtbar sein – oft reicht der nächste stimmige Schritt.

Eine Autismus-Diagnostik im Erwachsenenalter braucht Zeit und Sorgfalt. Es geht nicht nur um aktuelle Belastungen, sondern auch um die Einordnung Ihrer Lebensgeschichte seit der Kindheit und um die Betrachtung wiederkehrender Muster, Besonderheiten und Bewältigungswege.

Zur Diagnostik gehören nicht nur die Gesprächstermine selbst. Häufig müssen auch frühere Unterlagen wie Zeugnisse, Arztberichte oder Einschätzungen von nahestehenden Personen zusammengesucht und eingeordnet werden. Auch die Fragebögen sind oft umfangreich und erfordern Zeit, Konzentration und mentale Energie. Für viele ist dieser Teil der Diagnostik organisatorisch und emotional anstrengend. Deshalb ist ein Ablauf wichtig, der Orientierung gibt, Ihre Belastbarkeit achtet und ausreichend Raum lässt, Unterlagen in Ruhe zusammenzustellen und Fragebögen im eigenen Tempo zu bearbeiten.

Darum ist es sinnvoll, zwischen den einzelnen Diagnostik-Blöcken in der Regel mindestens etwa 1–2 Wochen Abstand oder länger einzuplanen. So bleibt ausreichend Zeit, Unterlagen in Ruhe zusammenzusuchen und Fragebögen im eigenen Tempo auszufüllen.

Mir ist ein Ablauf wichtig, der nicht zusätzlich unter Druck setzt, sondern Orientierung gibt und Ihre individuelle Belastbarkeit achtet.

Selbstzahler-Leistung in der Privatpraxis

Die Diagnostik erfolgt auf Selbstzahlerbasis. Die einzelnen Schritte und Kosten werden weiter oben und im Unterbereich Kosten transparent dargestellt, damit Sie von Anfang an gut überblicken können, welche Leistungen enthalten sind.

AUTISMUS- & ADHS-DIAGNOSTIK

AuDHS: Wenn Autismus und ADHS gemeinsam vorliegen

AuDHS ist keine offiziell anerkannte Diagnose, wird aber häufig als Bezeichnung verwendet, wenn Autismus und ADHS gleichzeitig vorliegen. Für viele Betroffene sind die eigenen Schwierigkeiten besonders schwer einzuordnen, weil dabei sehr unterschiedliche, teils widersprüchliche Bedürfnisse und Erlebnisweisen gleichzeitig bestehen. AuDHS benennt ein Erleben, das sich weder mit reinem Autismus noch mit reiner ADHS vollständig beschreiben lässt.

So kann es zum Beispiel ein starkes Bedürfnis nach Struktur, Vorhersehbarkeit und Reizkontrolle geben – und gleichzeitig den Wunsch nach Neuem, Spontanität, Begeisterung und Abwechslung. Vieles passt dann weder ganz zu den bekannten Beschreibungen eines „typischen“ Autismus noch zu denen einer „klassischen“ ADHS. Das eigene Erleben kann nach außen widersprüchlich wirken und ist für die betroffene Person selbst oft anstrengend, verwirrend und schwer in Worte zu fassen.

Nicht selten führt genau das dazu, dass Menschen, bei denen Autismus und ADHS gemeinsam vorliegen, lange mit einer stillen inneren Mehrarbeit leben, die nach außen oft unsichtbar bleibt, und eine passende Diagnostik erst spät in Anspruch nehmen. In der Praxis zeigt sich das häufig so: Manche Menschen kommen zunächst wegen eines ADHS-Verdachts, und im Verlauf wird zusätzlich eine autistische Grundstruktur erkennbar. Bei anderen steht zunächst der Verdacht auf Autismus im Vordergrund, während sich in der Abklärung zeigt, dass auch deutliche ADHS-Symptome und exekutive Dysfunktionen mitberücksichtigt werden sollten.

Für die formale Kodierung arbeite ich in Deutschland nach ICD-10-GM. Für die klinische Einordnung des autistischen Profils orientiere ich mich zugleich am DSM-5-Spektrumsbegriff. Das ist besonders dann wichtig, wenn zusätzlich deutliche ADHS-Symptome vorliegen oder sich im Verlauf der Diagnostik Hinweise auf ein gemeinsames Profil aus Autismus und ADHS ergeben. Die Gesamtprävalenz einer gesicherten Doppeldiagnose lässt sich derzeit nicht auf eine einzelne, allgemein gültige Zahl reduzieren. Das liegt nicht nur an unterschiedlichen Studien, Stichproben und Diagnosemethoden, sondern auch daran, dass verschiedene Klassifikationssysteme dieses gemeinsame Profil unterschiedlich gut abbilden. Gerade in Versorgungssystemen, in denen weiterhin mit ICD-10 codiert wird, kann sich das gemeinsame klinische Bild administrativ schlechter darstellen, als es diagnostisch tatsächlich verstanden wird.

Umso wichtiger ist es, in der Diagnostik das gesamte Profil in den Blick zu nehmen. Für viele Betroffene ist es eine große Entlastung, wenn das scheinbar Widersprüchliche einen nachvollziehbaren Zusammenhang bekommt. Manchmal ist man nicht „zu strukturiert“ oder „zu chaotisch“ – sondern beides auf ganz eigene Weise zugleich.

Differentialdiagnostische Einordnung von Autismus

Viele Erwachsene kommen nicht ohne Vorgeschichte in die Diagnostik. Manche haben bereits Diagnosen wie ADHS, soziale Angststörung, Depression, Trauma oder eine Borderline-Persönlichkeitsstörung erhalten. Oft war daran auch etwas richtig. Und trotzdem bleibt manchmal das Gefühl, dass das eigene Erleben damit nicht wirklich zusammenpasst oder nur teilweise erklärt ist.

Genau an diesem Punkt wird eine sorgfältige Differentialdiagnostik wichtig. Sie bedeutet nicht, frühere Einschätzungen vorschnell zu verwerfen. Sie bedeutet auch nicht, im Nachhinein alles in Richtung Autismus umzudeuten. Sie bedeutet, genauer hinzusehen: Was war schon früh da? Was ist später hinzugekommen? Was beschreibt eher die Grundstruktur des Erlebens, und was eher eine zusätzliche Belastung, Folge oder Komorbidität?

Mir ist dabei wichtig, nicht gegen frühere Diagnosen zu arbeiten, sondern Ihre Lebensgeschichte so zu verstehen, dass Zusammenhänge klarer werden. Gerade bei Erwachsenen ist das oft keine einfache Sortieraufgabe. Häufig gibt es Überlappungen, manchmal auch mehrere Dinge gleichzeitig. Eine gute Diagnostik hält diese Komplexität aus, statt sie vorschnell zu glätten.

In diesem Abschnitt geht es unter anderem um:

Für viele ist es bereits entlastend, wenn nicht vorschnell in ein einfaches Entweder-oder gedacht wird. Gerade bei Erwachsenen geht es häufig darum, unterschiedliche Erklärungsebenen, Überlappungen und zusätzliche Belastungen sorgfältig nebeneinander zu betrachten.

Autismus und ADHS: Was sich überschneiden kann und was sich unterscheidet

ASS und ADHS können sich im Alltag an vielen Stellen überschneiden. Viele Menschen kennen Schwierigkeiten mit exekutiven Funktionen, also zum Beispiel mit dem Beginnen von Aufgaben, Planen, Priorisieren, dem flexiblen Umstellen auf Veränderungen, dem inneren Strukturieren oder dem Dranbleiben an wenig attraktiven Aufgaben. Auch Reizüberlastung, innere Unruhe, Probleme mit Alltagsstruktur oder Phasen sehr intensiver Fokussierung auf bestimmte Themen, Interessen oder hochsaliente – also besonders interessante und dadurch motivierende – Aufgaben können bei beiden eine Rolle spielen. Gerade deshalb wirkt das eigene Erleben oft lange widersprüchlich: einerseits ein starkes Bedürfnis nach Struktur, Vorhersehbarkeit und klaren Abläufen, andererseits große Schwierigkeiten in der konkreten Umsetzung, im Wechseln oder beim rechtzeitigen In-Gang-Kommen. Viele Betroffene erleben genau diese Mischung als schwer erklärbar. Über Jahre wirkt sie für sie nicht wie „Unlogik“, sondern wie etwas, das sich innerlich sehr real und konsistent anfühlt, aber lange keinen passenden Namen hatte.

Trotz dieser Überschneidungen sind es keine austauschbaren Störungsbilder. Bei ASS stehen meist die soziale Gegenseitigkeit, die Art der sozialen Wahrnehmung, das Verstehen impliziter Regeln, das Bedürfnis nach Vorhersehbarkeit, ein charakteristischer Umgang mit Interessen sowie sensorische Besonderheiten stärker im Vordergrund. Bei ADHS geht es eher um Aufmerksamkeitssteuerung, Inhibition, Arbeitsgedächtnis, Selbststeuerung, Impulsivität, Zeitgefühl und schwankende Handlungsregulation. Von außen kann beides ähnlich aussehen. Innerlich und funktionell ist es oft etwas anderes.

Auch die starke Fokussierung wird häufig zu grob beschrieben. Bei ASS zeigt sie sich oft als tiefes, stabiles Eintauchen in Spezialinteressen, als starke Bindung an bestimmte Themen, Ordnungen, Systeme oder innere Schwerpunkte und manchmal auch als Schwierigkeit, den eigenen Fokus wieder zu lösen. Bei ADHS wird oft von Hyperfokus gesprochen, also von einer schwer steuerbaren, meist interessen- oder belohnungsgebundenen Phase intensiver Aufmerksamkeit. Das kann nach außen ähnlich wirken, hat aber nicht immer dieselbe innere Qualität.

Wichtig ist außerdem: ASS und ADHS können gemeinsam vorliegen. Gerade bei einer ASS-Abklärung zeigt sich nicht selten zusätzlich eine ADHS-Symptomatik. Für viele ist das zunächst entlastend, weil es erklärt, warum gleichzeitig Strukturbedürfnis und Chaos, intensive Interessen und Ablenkbarkeit oder Reizüberforderung und innere Getriebenheit erlebt werden. In der Diagnostik geht es deshalb nicht um ein schematisches Entweder-oder, sondern darum, sorgfältig zu prüfen, welches Muster seit der Kindheit bestand, was die größte Erklärungskraft hat und ob möglicherweise beides berücksichtigt werden sollte.

Autismus und Trauma / PTBS / kPTBS: wenn sich frühe neurodevelopmental bedingten Besonderheiten und spätere Belastungsfolgen berühren

Viele Menschen erleben diesen Bereich als besonders verwirrend. Umso entlastender kann es sein, wenn in der Diagnostik nicht vorschnell vereinfacht wird, sondern sorgfältig eingeordnet wird, was eher neurodevelopmental bedingt ist, was eher traumabezogen ist und wo mehrere Ebenen gleichzeitig eine Rolle spielen.

Autismus und Traumafolgen können sich im Erleben an vielen Stellen berühren. Rückzug, Anspannung, Reizempfindlichkeit, Erschöpfung, Misstrauen, Schwierigkeiten in Beziehungen, ein anhaltendes inneres Alarmgefühl oder das Empfinden, schnell überfordert zu sein, können in beiden Zusammenhängen vorkommen. Gerade deshalb erleben viele Betroffene diesen Bereich als besonders verwirrend und verunsichernd. Die Frage ist dann oft nicht nur: „Was habe ich?“, sondern eher: „Was war zuerst da, was ist Folge wovon, und warum lässt sich das nicht sauber trennen?“ Für viele ist es entlastend zu hören, dass genau diese Unklarheit nicht ungewöhnlich ist.

Belastende Erfahrungen entstehen nicht nur in klar erkennbaren traumatischen Einzelereignissen. Viele autistische Menschen berichten auch über wiederholte soziale Überforderung, Mobbing, chronisches Missverstandenwerden, Ausgrenzung, Grenzverletzungen oder Beziehungen, in denen sie nicht ausreichend geschützt waren. Belastung kann in Schule, Ausbildung, Beruf, Partnerschaften oder im sozialen Umfeld entstehen. Sie kann aber auch in der Familie liegen. Gerade wenn in einer Familie Neurodivergenz über Generationen hinweg nicht erkannt wurde, wenig Passung vorhanden war, chronische Überforderung bestand und zusätzlich Konflikte, Sucht, Gewalt, Armut oder andere Belastungen hinzukamen, kann eine Familiendynamik entstehen, die für ein Kind hochbelastend oder auch traumatisierend ist. Das bedeutet nicht, dass Autismus oder ADHS an sich Gewalt oder Sucht verursachen. Es bedeutet, dass mehrere Belastungsfaktoren zusammenkommen können und dass neurodivergente Familien ohne ausreichende Unterstützung besonders vulnerabel sein können.

Für die diagnostische Einordnung ist die Zeitachse oft wichtig, aber nicht immer ausreichend. Autistische Merkmale bestehen typischerweise seit der frühen Entwicklung, auch wenn sie erst spät erkannt werden. PTBS entsteht nach traumatischen Erfahrungen und ist mit Wiedererleben, Vermeidung und anhaltender Bedrohungsreaktion verbunden. kPTBS ist ein ICD-11-Konzept und beschreibt zusätzlich anhaltende Störungen in Affektregulation, Selbstbild und Beziehungen. In der Praxis ist das aber gerade bei frühen und langandauernden Belastungen oft nicht sauber wie Huhn und Ei zu trennen. Wenn traumatische Erfahrungen bereits in der Kindheit begonnen haben, lässt sich nicht immer scharf sagen: Das war zuerst nur Autismus, und das danach nur Trauma. Häufig müssen beide Bereiche gleichzeitig mitgedacht werden. Viele erleben es deshalb als erleichternd, wenn in der Diagnostik nicht vorschnell vereinfacht wird, sondern mehrere Erklärungsebenen nebeneinander stehen dürfen.

Eine Trauma-Diagnose schließt Autismus deshalb nicht automatisch aus. Umgekehrt sollte aber auch nicht alles vorschnell als Autismus erklärt werden, wenn deutliche Traumafolgen mit im Raum stehen. Eine positive Familienanamnese für Autismus oder ADHS kann ein wichtiger Hinweis sein, dass zusätzlich eine neurodevelopmental bedingte Komponente mitgedacht werden sollte. Sie ist für sich allein aber kein Beweis. Mir ist wichtig, dass Menschen mit PTBS, Bindungsthemen oder komplexen familiären Erfahrungen sich deshalb nicht von einer Autismus-Diagnostik ausgeschlossen fühlen. Gerade die ruhige gemeinsame Aufarbeitung dessen, was neurodevelopmental bedingt ist, was traumabezogen ist oder wo beides zusammenwirkt, kann sehr entlastend sein.

Körperliche Beschwerden und körperliche Komorbiditäten bei Autismus

Wenn körperliche Beschwerden lange nicht passend eingeordnet werden

Viele autistische Menschen werden mit körperlichen Beschwerden zu spät ernst genommen – manchmal von anderen, manchmal zuerst auch von sich selbst. Dazu kann beitragen, dass Belastung nach außen oft anders sichtbar wird als bei nichtautistischen Patient:innen: Manche zeigen weniger Mimik, überspielen durch Masking über lange Zeit Schmerzen oder Erschöpfung, oder haben Schwierigkeiten, innere Körperzustände eindeutig wahrzunehmen und in Worte zu fassen. Alexithymie und Interozeptionsprobleme können dabei eine Rolle spielen. Für viele beginnt das Problem deshalb schon bei der eigenen Einschätzung: Ist das „nur Stress“? Ist es schlimm genug? Muss ich damit überhaupt zum Arzt? Wenn Beschwerden dann im ärztlichen Kontakt zusätzlich nicht ausreichend verstanden oder ernst genommen werden, werden körperliche Probleme nicht selten über längere Zeit mitgetragen oder erst spät gezielt abgeklärt.

Gerade deshalb ist es mir wichtig, körperliche Beschwerden weder vorschnell zu psychologisieren noch sie als bloße „Begleiterscheinung“ abzutun. Eine Autismus-Diagnostik ersetzt keine somatische Abklärung. Sie kann aber helfen, Barrieren im Erkennen, Benennen und Kommunizieren von Beschwerden mitzudenken und körperliche Belastungen ernster in das Gesamtbild einzubeziehen. Für viele ist das bereits entlastend, weil es einen Unterschied macht, ob man sich als „überempfindlich“ oder „zu kompliziert“ erlebt – oder ob die eigene Schwierigkeit, Schmerzen, Erschöpfung oder andere Körpersignale rechtzeitig einzuordnen, selbst Teil des diagnostischen Gesamtbildes sein kann.

Körperliche Komorbiditäten bei Autismus

Autismus betrifft nicht nur soziale Situationen oder Kommunikation. Die neuere Forschung zeigt zunehmend, dass autistische Erwachsene auch körperliche Auffälligkeiten und Erkrankungen häufiger berichten als nichtautistische Vergleichsgruppen. In einer größeren Erwachsenenstudie traten 16 von 28 erfassten körperlichen Erkrankungen häufiger auf; andere aktuelle Arbeiten zeigen ein erhöhtes Risiko für körperliche Multimorbidität über mehrere Organsysteme hinweg. Gleichzeitig ist wichtig, nicht vorschnell alles aus Autismus selbst abzuleiten. Die Datenlage ist je nach Bereich unterschiedlich gut, und eine sorgfältige medizinische Mitbeurteilung bleibt entscheidend.

Hypermobilität und Bindegewebe

Gerade Hypermobilität wird inzwischen nicht mehr nur als klinische Einzelfallbeobachtung diskutiert. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalysen fand bei autistischen Stichproben erhöhte Raten von Gelenkhypermobilität sowie von HSD/EDS, auch wenn die Studien methodisch deutlich heterogen sind. Für viele Betroffene ist das deshalb wichtig, weil mit Hypermobilität nicht nur Beweglichkeit, sondern oft auch Schmerzen, Erschöpfung, propriozeptive Unsicherheit, Kreislaufprobleme oder eine erhöhte körperliche Verletzlichkeit verbunden sein können.

Schmerzen, Erschöpfung und Fatigue

Auch chronische Schmerzen verdienen einen eigenen Platz in der Diagnostik. Viele Betroffene berichten über Migräne, muskuloskelettale Schmerzen, chronische Bauchschmerzen, fibromyalgienahe Beschwerden oder über ein Zusammenspiel aus Schmerz, Fatigue und sensorischer Überlastung. Die direkte Forschung zu chronischem Schmerz bei Autismus ist noch im Aufbau, aber neuere Übersichtsarbeiten und Studien zu central sensitivity symptoms zeigen bereits klar, dass Schmerz- und Fatigue-Symptome klinisch relevant sind und im Alltag leicht zwischen Somatik, Reizüberforderung, Burnout und psychischer Belastung „verlorengehen“ können. Gerade bei Frauen scheint dieser Bereich besonders bedeutsam zu sein.

Bauchbeschwerden, Allergien und immunologische Auffälligkeiten

Ähnlich gilt das für Bauchbeschwerden, Allergien und immunologisch anmutende Symptome. Nicht jede allergische, gastrointestinale oder rheumatologische Erkrankung hat mit Autismus selbst zu tun. Gleichzeitig zeigen neuere Studien, dass solche Beschwerden im autistischen Erwachsenenalter häufiger mitberichtet werden. In einer aktuellen Erwachsenenstudie waren unter anderem Allergien, Bowel Conditions, Hypothyreose und rheumatische Erkrankungen häufiger als in nichtautistischen Vergleichsgruppen. Auch populationsbasierte Arbeiten und Reviews sprechen für ein erhöhtes Risiko bestimmter körperlicher und teilweise autoimmuner Erkrankungen, wobei die Befundlage hier heterogener ist als bei Hypermobilität.

Warum dieser Bereich so wichtig ist

Gerade für Menschen mit vielen parallelen körperlichen Auffälligkeiten kann es sehr entlastend sein, wenn in der Diagnostik nicht der Eindruck entsteht, sie seien „zu komplex“ oder „zu viel“. Häufig geht es nicht um eine einzige einfache Erklärung, sondern um ein Zusammenspiel mehrerer Ebenen: neurodevelopmental bedingte Besonderheiten, sensorische Belastbarkeit, chronischer Anpassungsdruck, Schwierigkeiten in der Körperwahrnehmung und zusätzliche körperliche Erkrankungen, die unabhängig davon medizinisch behandelt werden sollten. Eine gute Diagnostik hält diese Komplexität aus, statt sie vorschnell zu vereinfachen.

Autistisches Burnout und Depression: wenn Erschöpfung, Rückzug und Funktionsverlust mehr als eine Ursache haben können

Viele Menschen kommen mit der Sorge in die Diagnostik, seit Jahren immer wieder depressiv zu sein oder sich in einem Zustand zu befinden, der sich kaum noch einordnen lässt. Umso entlastender kann es sein, wenn nicht vorschnell nur von Depression gesprochen wird, sondern sorgfältig geprüft wird, ob eher eine depressive Episode, autistisches Burnout oder eine Überlappung beider Bereiche vorliegt.

Viele Erwachsene kommen in die Diagnostik mit einer bereits bestehenden Depressionsdiagnose oder mit dem Gefühl, seit Jahren immer wieder in depressive Zustände zu geraten. Das ist nicht ungewöhnlich. Gleichzeitig stellt sich bei autistischen Menschen oft noch eine weitere, sehr wichtige Frage: Handelt es sich eher um eine depressive Episode, um autistisches Burnout oder um beides zugleich?

Mit autistischem Burnout wird ein Zustand ausgeprägter Erschöpfung, verringerter Belastbarkeit, eines deutlichen Funktionsverlusts oder Funktionsabfalls und oft auch reduzierter Reiztoleranz beschrieben, meist im Zusammenhang mit chronischer Überlastung, fehlender Passung und anhaltendem Anpassungsdruck. Der Begriff ist klinisch sehr relevant und für viele Betroffene gut anschlussfähig, auch wenn autistisches Burnout bislang keine offizielle Diagnose im DSM-5 oder ICD-11 ist. Viele Betroffene beschreiben dabei weniger ein klassisches „Traurig-Sein“ als vielmehr ein tiefes „Nicht-mehr-Können“: Dinge, die früher mit viel Kraft noch möglich waren, brechen weg oder gelingen deutlich schlechter. Sprache, Alltagsorganisation, soziale Belastbarkeit, Reiztoleranz oder die Fähigkeit, Anforderungen auszugleichen, können sich spürbar verschlechtern. Gerade wenn dieser Zustand lange anhält und von außen nicht verstanden wird, erleben viele ihn als sehr verunsichernd.

Eine Depression zeigt sich demgegenüber häufiger über gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Hoffnungslosigkeit, Schuldgefühle, Selbstabwertung, Antriebsminderung oder einen deutlichen inneren Einbruch. In der Praxis ist diese Unterscheidung aber oft nicht trennscharf. Auch Depression kann mit Erschöpfung, Rückzug, verminderter Belastbarkeit und Funktionsverlust einhergehen. Und autistisches Burnout kann wiederum mit depressiven Gefühlen, Verzweiflung oder Hoffnungslosigkeit verbunden sein, besonders wenn es lange anhält und nicht verstanden wird. Viele erleben genau diese Unklarheit als belastend, weil sie spüren, dass etwas ernsthaft nicht stimmt, aber lange nicht einordnen können, was davon wozu gehört.

Gerade deshalb ist die Diagnostik hier so wichtig. Es geht nicht darum, das eine gegen das andere auszuspielen. Es geht darum, genauer hinzusehen: Was ist das langjährige Grundmuster? Was hat sich deutlich verändert? Geht es eher um einen affektiven Einbruch, oder steht stärker die chronische Erschöpfung durch Überanpassung, Reizbelastung und fehlende Passung im Vordergrund? In vielen Fällen ist die ehrlichste Antwort nicht „nur Depression“ oder „nur Burnout“, sondern: Es gibt Überlappungen, und möglicherweise liegt beides gleichzeitig vor. Für viele ist es eine große Erleichterung, wenn diese Komplexität nicht vorschnell vereinfacht wird.

Mir ist deshalb wichtig, weder jede Erschöpfung vorschnell als Depression zu lesen noch depressive Symptome vorschnell nur als autistisches Burnout zu verstehen. Eine frühere Depressionsdiagnose kann stimmig gewesen sein und trotzdem nicht das gesamte Bild erklärt haben. Umgekehrt darf ein autistisches Profil nicht dazu führen, eine behandlungsbedürftige Depression zu übersehen. Ziel ist eine sorgfältige Einordnung dessen, was Ihre Erschöpfung, Ihre Lebensgeschichte und Ihre aktuelle Belastung am besten erklärt.

Wenn Schüchternheit nicht die ganze Geschichte ist - Autismus und soziale Angststörung

Viele Menschen erleben diesen Bereich als besonders verunsichernd. Umso entlastender kann es sein, wenn in der Diagnostik nicht vorschnell nur soziale Angst angenommen wird, sondern genauer verstanden wird, warum soziale Situationen eigentlich belastend sind.

Autismus und soziale Angststörung können von außen ähnlich wirken. Manche Menschen vermeiden Gruppen, sagen wenig, wirken angespannt, schauen wenig hin, halten sich zurück oder erscheinen unsicher. Viele fragen sich deshalb über Jahre, ob sie einfach nur schüchtern sind. Andere haben erlebt, von außen als „komisch“, „unnahbar“ oder „verschroben“ beschrieben zu werden, ohne dass damit wirklich erfasst wurde, was innerlich eigentlich geschieht. Gerade bei stillen Mädchen und anderen Kindern, die früh gelernt haben, sich anzupassen, wird nicht selten lange vor allem Schüchternheit gesehen, während ein mögliches autistisches Erleben zunächst gar nicht mitgedacht wird.

Schüchternheit ist zunächst keine psychische Störung. Viele Menschen brauchen Zeit, um in Kontakt warm zu werden, sprechen in Gruppen weniger oder fühlen sich in neuen Situationen unsicher. Klinisch relevant wird eine soziale Angststörung dann, wenn die Angst vor negativer Bewertung, Kritik, Blamage oder Ablehnung deutliches Leiden verursacht, zu Vermeidung führt und den Alltag spürbar einschränkt. Dann geht es meist nicht nur um Zurückhaltung, sondern um die anhaltende Sorge, beobachtet, falsch beurteilt, peinlich auffällig oder beschämend erlebt zu werden.

Bei Autismus liegt der Schwerpunkt oft anders. Hier geht es meist weniger um die Angst vor Bewertung als um die tatsächliche Anstrengung sozialer Situationen. Viele autistische Menschen erleben Gruppen als unübersichtlich, schnell, reizintensiv, unausgesprochen geregelt und schwer mitzulesen. Gespräche können viel bewusste Verarbeitung erfordern: Was ist wörtlich gemeint? Was ist zwischen den Zeilen gemeint? Wann bin ich dran? Wie viel Blickkontakt ist passend? Was genau wird gerade sozial erwartet? Die Situation ist dann nicht primär deshalb schwierig, weil man sich blamieren könnte, sondern weil sie kognitiv, sensorisch oder interaktionell zu viel gleichzeitig verlangt. Viele erleben das über lange Zeit nicht als bloße Unsicherheit, sondern als eine Form von Überforderung, für die ihnen oft die passenden Worte fehlten.

Von außen kann der Rückzug ähnlich aussehen. Innerlich ist er oft anders begründet. Ein Mensch mit sozialer Angst meidet eine Situation eher, weil er negative Bewertung erwartet. Ein autistischer Mensch meidet dieselbe Situation eher, weil sie überfordernd, missverständlich oder erschöpfend ist. Gleichzeitig kann sich beides überlagern. Viele autistische Menschen entwickeln nach wiederholten Missverständnissen, Mobbing oder chronischer sozialer Überanstrengung zusätzlich soziale Angst. Eine frühere Diagnose sozialer Angst schließt Autismus deshalb nicht aus. Umgekehrt sollte aber auch nicht jede soziale Unsicherheit vorschnell als Autismus verstanden werden. Ziel der Diagnostik ist, genauer zu verstehen, warum soziale Situationen belastend sind und welches Muster die Lebensgeschichte am besten erklärt. Für viele ist es eine große Erleichterung, wenn sich dabei etwas, das lange nur wie „Schüchternheit“ oder „soziale Unsicherheit“ wirkte, endlich differenzierter einordnen lässt.

Autismus und Borderline-Persönlichkeitsstörung

Gerade bei einer früheren Borderline-Diagnose kommen viele Menschen mit großer Unsicherheit in die Diagnostik. Manche haben lange psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlungswege hinter sich und gleichzeitig das Gefühl, dass vor allem Krisensymptome gesehen wurden, während ihre Wahrnehmung, ihre Reizverarbeitung, ihre sozialen Missverständnisse oder ihre lebenslange Anpassungsanstrengung nie wirklich passend verstanden wurden. Manche erleben eine frühere Borderline-Zuschreibung als hilfreich, andere als stigmatisierend, wieder andere als teilweise zutreffend, aber unvollständig. Besonders belastend ist es für viele, wenn einzelne Krisensymptome sehr früh als „typisch Borderline“ gelesen wurden, ohne dass andere Erklärungsebenen ausreichend mitgedacht wurden.

Die diagnostische Schwierigkeit liegt oft nicht darin, dass alles völlig verschieden wäre, sondern darin, dass sich die Oberfläche tatsächlich ähneln kann. Emotionale Überforderung, Rückzug, Selbstverletzung, Beziehungsprobleme, Identitätsunsicherheit oder der Eindruck von Instabilität können in beiden Bereichen vorkommen. Für eine gute Diagnostik ist deshalb nicht nur entscheidend, ob ein Symptom sichtbar ist, sondern auch, welche innere Dynamik, welche Funktion, welche Auslöser und welches lebensgeschichtliche Muster dahinterstehen. Gerade das kann für viele entlastend sein: dass nicht nur auf die sichtbare Krise geschaut wird, sondern darauf, wie etwas innerlich erlebt wird und seit wann es besteht.

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist durch ein überdauerndes Muster von Instabilität in Beziehungen, Selbstbild und Affekt sowie durch deutliche Impulsivität gekennzeichnet. Häufig stehen starke Verlassenheitsängste, intensive Krisendynamiken in Beziehungen, Selbstverletzung, starke affektive Schwankungen und ein instabiles Selbstbild im Vordergrund. Bei Autismus liegt der Schwerpunkt meist anders: eher auf einem lebenslangen Muster sozialer Missverständnisse, Besonderheiten der sozialen Gegenseitigkeit, sensorischer Belastbarkeit, Strukturbedürfnis und hohem Anpassungsaufwand.

Gerade deshalb reicht es nicht, nur auf einzelne Symptome zu schauen. Entscheidend ist auch hier die innere Logik. Selbstverletzendes Verhalten kann bei Borderline enger mit zwischenmenschlicher Krise, Verlassenheitsangst oder affektiver Eskalation verbunden sein. Bei autistischen Menschen kann Selbstverletzung oder Rückzug eher mit sensorischer Überlastung, Kontrollverlust, sozialer Überforderung oder langjährig missverstandener Spannungsregulation zusammenhängen. Von außen kann das ähnlich aussehen, innerlich ist es oft etwas anderes. Viele erleben es deshalb als entlastend, wenn in der Diagnostik nicht nur gefragt wird, was geschieht, sondern auch wann, wodurch, in welchem Zusammenhang und mit welcher Funktion.

Eine frühere Borderline-Diagnose schließt Autismus nicht automatisch aus. Umgekehrt sollte aber auch nicht jede emotionale Instabilität, Beziehungskrise oder Selbstverletzung vorschnell als Ausdruck von Autismus umgedeutet werden. Die Literatur beschreibt beides: Fehldiagnosen und echte Komorbidität. Besonders bei spät diagnostizierten Frauen und anderen Personen, bei denen Autismus lange übersehen wurde, ist diagnostische Sorgfalt wichtig, weil Trauma, soziale Anpassung, Selbstverletzung und wiederholte psychiatrische Kontakte das Bild stark überlagern können.

Eine fehlgedeutete Verdachtsdiagnose kann dabei weitreichende Auswirkungen haben — nicht nur wegen der Bezeichnung selbst, sondern weil sie oft den ganzen weiteren Blick auf die Person prägt. Wenn Krisensymptome früh in Richtung Borderline gelesen werden, besteht das Risiko, dass andere Erklärungsebenen zu wenig geprüft werden, etwa neurodevelopmental bedingte Besonderheiten, sensorische Belastbarkeit, Masking, soziale Missverständnisse oder Autismus insgesamt. Für viele Betroffene ist das nicht nur diagnostisch, sondern auch persönlich belastend: Sie erleben sich dann schneller als „zu instabil“, „zu schwierig“ oder selbst mitverantwortlich für etwas, das eigentlich differenzierter verstanden werden müsste. Umso entlastender kann es sein, wenn eine spätere Diagnostik das Bild ruhiger, respektvoller und vollständiger neu einordnet.

Mir ist deshalb wichtig, dass Menschen mit einer Borderline-Vorgeschichte sich von einer Autismus-Diagnostik nicht ausgeschlossen fühlen. Ziel ist nicht, die eine Diagnose gegen die andere auszuspielen. Ziel ist eine sorgfältige Neubewertung: Was spricht für ein neurodevelopmental bedingtes Muster seit früher Entwicklung? Was spricht eher für eine Borderline-spezifische Krisen- und Beziehungsdynamik? Welche Rolle spielen Auslöser, Funktion, Zeitachse und frühe Entwicklung? Und wo müssen vielleicht tatsächlich mehrere Belastungsbereiche gleichzeitig berücksichtigt werden?

Wenn sich in Ihrer Biografie mehrere dieser Bereiche berühren, ist das nicht ungewöhnlich. Gerade dann ist eine sorgfältige, ruhige und nicht vorschnelle Diagnostik besonders wichtig.

Wissenschaftliche Grundlagen

INTERESSANTE STUDIEN & FACHLICHE EINORDNUNG

Die nachfolgend aufgeführten Studien und Fachquellen beleuchten zentrale Aspekte dieses Themenfeldes aus wissenschaftlicher Perspektive. Sie sollen zur fachlichen Einordnung beitragen und ersetzen keine individuelle Diagnostik oder Behandlung.

Autismus-Diagnostik im Erwachsenenalter

National Institute for Health and Care Excellence (NICE).
Autism spectrum disorder in adults: diagnosis and management. NICE guideline CG142. Published 27 June 2012; last updated 14 June 2021; last reviewed 5 September 2025.
Direkter Link: https://www.nice.org.uk/guidance/cg142

Kurzbeschreibung: Zentrale Leitlinie zur Diagnostik und Versorgung von Autismus im Erwachsenenalter. Die Leitlinie umfasst ausdrücklich die Identifikation und diagnostische Abklärung bei Erwachsenen mit Verdacht auf Autismus und unterstreicht die Bedeutung einer strukturierten Diagnostik als Grundlage für weitere Unterstützung und Versorgung.

Norris JE, Harvey R, Hull L.
Post-diagnostic support for adults diagnosed with autism in adulthood in the UK: A systematic review with narrative synthesis.
Autism. 2025;29(2).
DOI: 10.1177/13623613241273073
Direkter Link: https://doi.org/10.1177/13623613241273073

Kurzbeschreibung: Systematischer Review zur Unterstützung nach Diagnosestellung bei im Erwachsenenalter diagnostizierten autistischen Personen im Vereinigten Königreich. Die Arbeit zeigt, dass nach der Diagnosestellung häufig vor allem Information und Weiterverweisung angeboten werden, während psychoedukative, niedrigschwellige und peer-gestützte Angebote von Betroffenen als besonders relevant beschrieben werden.

Superson W, Prokopiak A, Wodziński M.
Experiences of an Autism Diagnosis in Adulthood: The Role of Grassroots Epistemology in Clinical Settings.
Journal of Clinical Medicine. 2025;14(12):4315.
DOI: 10.3390/jcm14124315
Direkter Link: https://doi.org/10.3390/jcm14124315

Kurzbeschreibung: Aktuelle Arbeit zu Erfahrungen mit einer Autismus-Diagnose im Erwachsenenalter. Relevant für die klinische Einordnung der Diagnose als biografisch und subjektiv bedeutsamen Prozess sowie für die Frage, wie diagnostische Settings Wissen aus Selbstbeobachtung und gelebter Erfahrung besser einbeziehen können.

Cremer S, Antezana L, Conner CM, Eack SM, Mazefsky CA, Northrup JB.
The relationship between age of autism diagnosis and life satisfaction in adulthood.
Autism. 2026;30(4):931–943.
DOI: 10.1177/13623613261416672
Direkter Link: https://doi.org/10.1177/13623613261416672

Kurzbeschreibung: Aktuelle Erwachsenenstudie zum Zusammenhang zwischen Diagnosealter und Lebenszufriedenheit. Die Ergebnisse sprechen für eine differenzierte Betrachtung des Diagnosezeitpunkts: Frühere Diagnosen in der frühen Kindheit waren mit höheren Werten in einzelnen Bereichen der Lebenszufriedenheit assoziiert, während spätere Diagnosen nicht einfach linear mit schlechteren Outcomes gleichgesetzt werden können.

Russell AS, McFayden TC, McAllister M, et al.
Who, when, where, and why: A systematic review of “late diagnosis” in autism.
Autism Research. 2025;18(1):22–36.
DOI: 10.1002/aur.3278
Direkter Link: https://doi.org/10.1002/aur.3278

Kurzbeschreibung: Systematischer Review zum Forschungsfeld der späten Autismus-Diagnose. Die Arbeit zeigt, dass „late diagnosis“ in der Literatur sehr uneinheitlich definiert wird und dass der Zeitpunkt der Diagnosestellung klinisch und biografisch relevant ist, zugleich aber präzisere und konsistentere Konzepte in der Forschung benötigt werden.

Autismus und ADHS 

Young S, Hollingdale J, Absoud M, et al. Guidance for identification and treatment of individuals with attention deficit/hyperactivity disorder and autism spectrum disorder based upon expert consensus.

BMC Medicine. 2020;18:146.

DOI: 10.1186/s12916-020-01585-y

Link: https://doi.org/10.1186/s12916-020-01585-y

Kurzbeschreibung: Die Konsensusarbeit beschreibt die häufige gemeinsame klinische Präsentation von Autismus und ADHS und betont die Notwendigkeit einer sorgfältigen differentialdiagnostischen Abklärung sowie einer integrierten Behandlungsplanung.

Rong Y, Yang C-J, Jin Y, Wang Y. Prevalence of attention-deficit/hyperactivity disorder in individuals with autism spectrum disorder: A meta-analysis.

Research in Autism Spectrum Disorders. 2021;83:101759.

DOI: 10.1016/j.rasd.2021.101759

Link: https://doi.org/10.1016/j.rasd.2021.101759

Kurzbeschreibung: Die Meta-Analyse berichtet eine hohe Prävalenz von ADHS bei autistischen Personen und zeigt zugleich deutliche Unterschiede zwischen Studien in Abhängigkeit von Alter, Stichprobe, Diagnostik und Setting.

Hours C, Recasens C, Baleyte J-M. ASD and ADHD Comorbidity: What Are We Talking About?

Frontiers in Psychiatry. 2022;13:837424.

DOI: 10.3389/fpsyt.2022.837424

Link: https://doi.org/10.3389/fpsyt.2022.837424

Kurzbeschreibung: Die Übersichtsarbeit ordnet die konzeptuelle Überschneidung beider Störungsbilder ein und arbeitet heraus, dass gemeinsame Merkmale klinisch relevant sind, Autismus und ADHS jedoch nicht als identische Konstrukte verstanden werden sollten.

Waldren LH, Leung FYN, Hargitai LD, et al. Unpacking the overlap between Autism and ADHD in adults: A multi-method approach.

Cortex. 2024;173:120–137.

DOI: 10.1016/j.cortex.2023.12.016

Link: https://doi.org/10.1016/j.cortex.2023.12.016

Kurzbeschreibung: Die Erwachsenenstudie zeigt Überlappungen auf Merkmalsebene, stützt aber zugleich die Annahme, dass Autismus und ADHS auch im Erwachsenenalter als unterscheidbare Konstrukte erfasst werden können.

Yerys BE, Wallace GL, Sokoloff JL, et al. Co-occurring ADHD symptoms in autistic adults are associated with poorer daily living skills and quality of life.

Autism. 2023.

DOI: 10.1177/13623613221112198

Link: https://doi.org/10.1177/13623613221112198

Kurzbeschreibung: Die Studie zeigt, dass zusätzliche ADHS-Symptome bei autistischen Erwachsenen mit geringeren Fähigkeiten im Alltag und einer niedrigeren Lebensqualität assoziiert sein können.

Petruzzelli MG, et al. An update on the comorbidity of Attention Deficit/Hyperactivity Disorder (ADHD) and Autism Spectrum Disorder (ASD) and its clinical management.

Expert Review of Neurotherapeutics. 2026.

DOI: 10.1080/14737175.2025.2599856

Link: https://doi.org/10.1080/14737175.2025.2599856

Kurzbeschreibung: Die aktuelle Übersichtsarbeit fasst den Forschungsstand zur Komorbidität und zum klinischen Management zusammen und unterstreicht die Bedeutung einer genauen Prüfung, ob Symptome besser durch Autismus, ADHS oder eine Doppelkonstellation erklärt werden.

Jurek L, Walitza S, Mürner-Lavanchy I, et al. Sensory Processing in Individuals With Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder Compared With Control Populations: A Systematic Review and Meta-Analysis.

Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry. 2025.

DOI: 10.1016/j.jaac.2025.02.019

Link: https://doi.org/10.1016/j.jaac.2025.02.019

Kurzbeschreibung: Die systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse zeigt, dass atypische sensorische Verarbeitung auch bei ADHS häufig beschrieben wird, sensorische Auffälligkeiten jedoch diagnostisch nicht dieselbe Spezifität wie im Kontext von Autismus haben.

 Autismus und Trauma/ PTBS/ kPTBS 

Quinton AMG, Ali D, Danese A, Happé F, Rumball F.

The Assessment and Treatment of Post-traumatic Stress Disorder in Autistic People: A Systematic Review.

Review Journal of Autism and Developmental Disorders. 2024.

DOI: 10.1007/s40489-024-00430-9

Link: https://doi.org/10.1007/s40489-024-00430-9

Kurzbeschreibung: Der systematische Review zeigt, dass autistische Kinder, Jugendliche und Erwachsene erhöhte PTBS-Symptome berichten können, während zugleich deutliche Lücken in Diagnostik, Messinstrumenten und behandlungsbezogener Evidenz bestehen.

Mansour H, Kurana S, Eshetu A, et al.

Prevalence of Post-Traumatic Stress Disorder (PTSD) in autistic children or young people (CYP) and adults: A systematic review and meta-analysis.

Clinical Psychology Review. 2025;120:102621.

DOI: 10.1016/j.cpr.2025.102621

Link: https://doi.org/10.1016/j.cpr.2025.102621

Kurzbeschreibung: Die Meta-Analyse fasst Prävalenzdaten zu PTBS bei autistischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zusammen und weist auf die Schwierigkeit hin, formale PTSD-Kriterien und autistische Belastungserfahrungen deckungsgleich abzubilden.

Rumball F, Happé F, Grey N.

Experience of Trauma and PTSD Symptoms in Autistic Adults.

Autism Research. 2020;13:2122–2132.

DOI: 10.1002/aur.2306

Link: https://doi.org/10.1002/aur.2306

Kurzbeschreibung: Die Studie zeigt, dass autistische Erwachsene PTBS-Symptome auch nach subjektiv stark belastenden Erfahrungen berichten können, die nicht immer eindeutig in klassische DSM-5-Kriterium-A-Kategorien fallen.

Rumball F, Brook L, Happé F, Grey N.

Heightened risk of posttraumatic stress disorder in adults with autism spectrum disorder: The role of cumulative trauma and memory deficits.

Research in Developmental Disabilities. 2021;110:103848.

DOI: 10.1016/j.ridd.2020.103848

Link: https://doi.org/10.1016/j.ridd.2020.103848

Kurzbeschreibung: Die Erwachsenenstudie weist darauf hin, dass kumulative Belastungserfahrungen und Gedächtnisprobleme zur erhöhten PTBS-Symptomatik bei autistischen Erwachsenen beitragen könnten.

Andrzejewski T, Gomez Batista S, Abu-Ramadan T, et al.

Examining Rates of Traumatic Events and Posttraumatic Stress Disorder Symptoms Among Autistic Adults.

Autism in Adulthood. 2024.

DOI: 10.1089/aut.2023.0022

Link: https://doi.org/10.1089/aut.2023.0022

Kurzbeschreibung: Die Studie zeigt, dass autistische Erwachsene mehr traumatische Erfahrungen, insbesondere interpersonelle Traumata, sowie höhere PTBS-Symptomcluster berichten können.

Sarr R, Spain D, et al.

Differential diagnosis of autism, attachment disorders, complex post-traumatic stress disorder and emotionally unstable personality disorder: A Delphi study.

British Journal of Psychology. 2025.

DOI: 10.1111/bjop.12731

Link: https://doi.org/10.1111/bjop.12731

Kurzbeschreibung: Die Delphi-Studie beschreibt zentrale differenzialdiagnostische Aspekte an der Schnittstelle von Autismus, Bindungsstörungen, komplexer PTBS und emotional instabiler Persönlichkeitsstörung.

Brewin CR.

Complex post-traumatic stress disorder: a new diagnosis in ICD-11.

BJPsych Advances. 2020.

DOI: 10.1192/bja.2019.48

Link: https://doi.org/10.1192/bja.2019.48

Kurzbeschreibung: Die Arbeit ordnet die komplexe PTBS als ICD-11-Diagnose ein und ist relevant für eine saubere begriffliche Abgrenzung gegenüber DSM-basierten PTBS-Konzepten.

Ergänzende Quellen zu belastenden Kindheitserfahrungen und psychosozialer Belastung

Hartley G, Sirois F, Purrington J, Rabey Y.

Adverse Childhood Experiences and Autism: A Meta-Analysis.

Trauma, Violence, & Abuse. 2024.

DOI: 10.1177/15248380231213314

Link: https://doi.org/10.1177/15248380231213314

Kurzbeschreibung: Die Meta-Analyse zeigt, dass autistische Menschen häufiger belastende Kindheitserfahrungen berichten als nichtautistische Vergleichsgruppen.

Kanina A, Ryland H, Kuja-Halkola R, et al.

Association between cumulative psychosocial adversity in the family and ADHD and autism: a family-based cohort study.

Translational Psychiatry. 2023;13:284.

DOI: 10.1038/s41398-023-02571-7

Link: https://doi.org/10.1038/s41398-023-02571-7

Kurzbeschreibung: Die familienbasierte Kohortenstudie zeigt Zusammenhänge zwischen kumulativer psychosozialer familiärer Belastung und Autismus beziehungsweise ADHS, weist jedoch zugleich darauf hin, dass geteilte familiäre Einflussfaktoren bei der Interpretation berücksichtigt werden müssen.

 Autismus, Autistisches Burnout und Depressive Episoden

Hinze E, Paynter J, Dargue N, Adams D.

The Presentation of Depression in Depressed Autistic Individuals: A Systematic Review.

Review Journal of Autism and Developmental Disorders. 2024.

DOI: 10.1007/s40489-024-00480-z

Link: https://doi.org/10.1007/s40489-024-00480-z

Kurzbeschreibung: Der systematische Review zeigt, dass depressive Symptomatik bei autistischen Menschen teilweise anders in Erscheinung treten kann als in nichtautistischen Stichproben und dass die Abgrenzung gegenüber autistischen Merkmalen, Erschöpfung und Verhaltensveränderungen klinisch anspruchsvoll ist.

Hollocks MJ, Lerh JW, Magiati I, Meiser-Stedman R, Brugha TS.

Anxiety and depression in adults with autism spectrum disorder: A systematic review and meta-analysis.

Psychological Medicine. 2019;49(4):559–572.

DOI: 10.1017/S0033291718002283

Link: https://doi.org/10.1017/S0033291718002283

Kurzbeschreibung: Die systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse belegt, dass Angststörungen und Depressionen bei autistischen Erwachsenen häufig vorkommen und als klinisch relevante Begleiterkrankungen berücksichtigt werden sollten.

Hudson CC, Hall L, Harkness KL.

Prevalence of Depressive Disorders in Individuals with Autism Spectrum Disorder: A Meta-Analysis.

Journal of Abnormal Child Psychology. 2019;47(1):165–175.

DOI: 10.1007/s10802-018-0402-1

Link: https://doi.org/10.1007/s10802-018-0402-1

Kurzbeschreibung: Die Meta-Analyse zeigt, dass depressive Störungen bei autistischen Personen deutlich häufiger berichtet werden als in nichtautistischen Vergleichsgruppen.

Autistisches Burnout als wichtige Differentialdiagnose und Mitursache von Erschöpfung

Raymaker DM, Teo AR, Steckler NA, et al.

“Having All of Your Internal Resources Exhausted Beyond Measure and Being Left with No Clean-Up Crew”: Defining Autistic Burnout.

Autism in Adulthood. 2020;2(2):132–143.

DOI: 10.1089/aut.2019.0079

Link: https://doi.org/10.1089/aut.2019.0079

Kurzbeschreibung: Die konzeptuelle Arbeit beschreibt autistisches Burnout als Zustand ausgeprägter Erschöpfung, reduzierter Belastbarkeit und funktioneller Einbußen im Zusammenhang mit chronischer Überlastung, fehlender Passung und unzureichender Unterstützung.

Ali D, Bougoure M, Cooper B, et al.

Burnout as experienced by autistic people: A systematic review.

Clinical Psychology Review. 2025;122:102669.

DOI: 10.1016/j.cpr.2025.102669

Link: https://doi.org/10.1016/j.cpr.2025.102669

Kurzbeschreibung: Der systematische Review zeigt, dass autistisches Burnout inzwischen empirisch untersucht wird, die Evidenzbasis jedoch noch überwiegend auf qualitativen und querschnittlichen Arbeiten beruht.

Benatov J, Sarel-Mahlev E, Bar Yehuda S.

Camouflage, Burnout-Exhaustion, and Depression in Autistic Adults.

Autism in Adulthood. 2025.

DOI: 10.1089/aut.2024.0147

Link: https://doi.org/10.1089/aut.2024.0147

Kurzbeschreibung: Die Studie zeigt enge Zusammenhänge zwischen Camouflaging, Burnout-Erschöpfung und depressiver Symptomatik bei autistischen Erwachsenen und spricht damit für eine sorgfältige Abgrenzung überlappender Belastungszustände.

Körperliche Beschwerden und körperliche Komorbiditäten

Überblick: körperliche Multimorbidität bei Autismus

Ward JH, Weir E, Allison C, Baron-Cohen S.
Increased rates of chronic physical health conditions across all organ systems in autistic adolescents and adults.
Molecular Autism. 2023;14:35.
DOI: 10.1186/s13229-023-00565-2
Direkter Link: https://doi.org/10.1186/s13229-023-00565-2
Kurzbeschreibung: Große Querschnittsstudie zu chronischen körperlichen Erkrankungen bei autistischen Jugendlichen und Erwachsenen. Die Arbeit zeigt erhöhte Raten körperlicher Erkrankungen über nahezu alle Organsysteme hinweg und stützt die Einordnung von Autismus als Zustand mit erhöhter körperlicher Multimorbidität.

Hunt M, Underwood JFG, Hubbard L, Hall J.
Risk of physical health comorbidities in autistic adults: clinical nested cross-sectional study.
BJPsych Open. 2024;10(6):e182.
DOI: 10.1192/bjo.2024.777
Direkter Link: https://doi.org/10.1192/bjo.2024.777
Kurzbeschreibung: Klinische Querschnittsstudie zu körperlichen Komorbiditäten bei autistischen Erwachsenen. Die Arbeit zeigt erhöhte Raten zahlreicher körperlicher Erkrankungen und unterstreicht die Notwendigkeit, körperliche Beschwerden bei Autismus systematisch mitzudenken.

Torenvliet C, Radhoe TA, Geurts HM.
Occurrence and overlap of physical and mental health conditions in autistic adults.
Autism. 2025;29(12):3124–3135.
DOI: 10.1177/13623613251362346
Direkter Link: https://doi.org/10.1177/13623613251362346
Kurzbeschreibung: Erwachsenenstudie zur gleichzeitigen Belastung durch körperliche und psychische Erkrankungen. Besonders relevant für die Einordnung, dass körperliche und psychische Beschwerden sich im Erwachsenenalter häufig überlagern, ohne dass eine einzelne Diagnose das Gesamtbild vollständig erklärt.

Hypermobilität, HSD und Ehlers-Danlos-Spektrum

Baeza-Velasco C, Vergne A, Poli A, Kalisch C, Calati R.
Autism in the context of joint hypermobility, hypermobility spectrum disorders and Ehlers-Danlos syndromes: A systematic review and prevalence meta-analyses.
Autism. 2025.
DOI: 10.1177/13623613251328059
Direkter Link: https://doi.org/10.1177/13623613251328059
Kurzbeschreibung: Zentrale aktuelle Übersichtsarbeit mit Metaanalysen zur Verbindung von Autismus und Gelenkhypermobilität bzw. HSD/EDS. Die Arbeit stützt eine robuste Assoziation, weist aber zugleich auf die erhebliche methodische Heterogenität der Studien hin.

Baeza-Velasco C, Cohen D, Hamonet C, Vlamynck E, Diaz L, Cravero C, Cappe E, Guinchat V.
Autism, Joint Hypermobility-Related Disorders and Pain.
Frontiers in Psychiatry. 2018;9:656.
DOI: 10.3389/fpsyt.2018.00656
Direkter Link: https://doi.org/10.3389/fpsyt.2018.00656
Kurzbeschreibung: Früher Überblicksartikel zur klinischen Verbindung von Autismus, Hypermobilität und Schmerz. Die Arbeit ist besonders relevant, weil sie Hypermobilität nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit Schmerz und weiteren körperlichen Belastungen diskutiert.

Casanova EL, Sharp JL, Edelson SM, Kelly DP, Casanova MF.
A Cohort Study Comparing Women with Autism Spectrum Disorder with and without Generalized Joint Hypermobility.
Behavioral Sciences. 2018;8(3):35.
DOI: 10.3390/bs8030035
Direkter Link: https://doi.org/10.3390/bs8030035
Kurzbeschreibung: Kohortenstudie zu autistischen Frauen mit und ohne generalisierte Gelenkhypermobilität. Die Arbeit ist besonders interessant für die Frage, ob bei einem Teil autistischer Frauen körperliche Symptome, Schmerz sowie immunologisch-endokrine Auffälligkeiten gehäuft zusammen auftreten.

Schmerz, Erschöpfung, Fatigue und zentrale Sensitivität

Garriga-Cazorla H, Roman-Juan J, Martí L, Solé E, Martínez-Leal R, Miró J.
Chronic Pain in Autism: A Systematic Review.
Clinical Journal of Pain. 2025;41(8):e1296.
DOI: 10.1097/AJP.0000000000001296
Direkter Link: https://doi.org/10.1097/AJP.0000000000001296
Kurzbeschreibung: Aktuelle systematische Übersichtsarbeit zu chronischen Schmerzen bei Autismus. Die Arbeit zeigt, dass chronische Schmerzsyndrome ein relevantes, aber bisher noch unzureichend untersuchtes Feld sind.

Grant S, Radley J, et al.
Central Sensitivity Symptoms and Autistic Traits in Autistic and Non-Autistic Adults.
Autism Research. 2025.
DOI: 10.1002/aur.3297
Direkter Link: https://doi.org/10.1002/aur.3297
Kurzbeschreibung: Studie zu zentralen Sensitivitätssymptomen bei autistischen und nichtautistischen Erwachsenen. Die Arbeit ist relevant für die Einordnung von Schmerz, Fatigue, sensorischer Überlastung und körperlicher Symptomlast als potenziell zusammenhängende Belastungsbereiche.

Li Y, Xie T, Snieder H, Hartman CA.
Associations between autistic and comorbid somatic problems of gastrointestinal disorders, food allergy, pain, and fatigue in adults.
Autism. 2024;28(12):3105–3117.
DOI: 10.1177/13623613241254619
Direkter Link: https://doi.org/10.1177/13623613241254619
Kurzbeschreibung: Große bevölkerungsbezogene Erwachsenenstudie zu den Zusammenhängen zwischen autistischen Merkmalen und gastrointestinalen Beschwerden, Nahrungsmittelallergie, Schmerz und Fatigue. Besonders relevant für die Frage, ob diese körperlichen Problembereiche gehäuft gemeinsam auftreten.

Larkin F, Ralston B, Dinsdale SJ, Kimura S, Hayiou-Thomas ME.
Alexithymia and intolerance of uncertainty predict somatic symptoms in autistic and non-autistic adults.
Autism. 2023;27(3):602–615.
DOI: 10.1177/13623613221109717
Direkter Link: https://doi.org/10.1177/13623613221109717
Kurzbeschreibung: Erwachsenenstudie zu somatischen Symptomen, Alexithymie und Intoleranz von Unsicherheit. Die Arbeit stützt die Annahme, dass somatische Belastung nicht nur medizinisch, sondern auch über Schwierigkeiten in Wahrnehmung, Benennung und Einordnung körperlicher Zustände mitbedingt sein kann.

Gastrointestinale, allergische und autoimmune Komorbiditäten

Li Y, Xie T, Snieder H, Hartman CA.
Associations between autistic and comorbid somatic problems of gastrointestinal disorders, food allergy, pain, and fatigue in adults.
Autism. 2024;28(12):3105–3117.
DOI: 10.1177/13623613241254619
Direkter Link: https://doi.org/10.1177/13623613241254619
Kurzbeschreibung: Relevante Erwachsenenstudie zu gastrointestinalen Beschwerden, Nahrungsmittelallergie, Schmerz und Fatigue. Die Ergebnisse sprechen dafür, diese Bereiche bei autistischen Erwachsenen differenziert mitzuerfassen.

Villarreal VR, Katusic MZ, Myers SM, Weaver AL, Nocton JJ, Voigt RG.
Risk of Autoimmune Disease in Research-Identified Cases of Autism Spectrum Disorder: A Longitudinal, Population-Based Birth Cohort Study.
Journal of Developmental & Behavioral Pediatrics. 2024;45:e46–e53.
DOI: 10.1097/DBP.0000000000001232
Direkter Link: https://doi.org/10.1097/DBP.0000000000001232
Kurzbeschreibung: Längsschnittliche populationsbasierte Kohortenstudie zum Risiko autoimmuner Erkrankungen bei Autismus. Die Arbeit spricht für ein erhöhtes Risiko als Gruppe, ohne daraus eine einheitliche autoimmune Erklärung abzuleiten.

Simantov T, Pohl A, Tsompanidis A, Weir E, et al.
Medical symptoms and conditions in autistic women.
Autism. 2022;26(2):373–388.
DOI: 10.1177/13623613211022091
Direkter Link: https://doi.org/10.1177/13623613211022091
Kurzbeschreibung: Studie zu medizinischen Symptomen und Erkrankungen bei autistischen Frauen. Die Arbeit ist besonders relevant für körperliche Symptome im Erwachsenenalter und für sex-/hormonbezogene medizinische Belastungsprofile.

Torenvliet C, Radhoe TA, Geurts HM.
Occurrence and overlap of physical and mental health conditions in autistic adults.
Autism. 2025;29(12):3124–3135.
DOI: 10.1177/13623613251362346
Direkter Link: https://doi.org/10.1177/13623613251362346
Kurzbeschreibung: Erwachsenenstudie mit erhöhten Raten körperlicher Erkrankungen, unter anderem in Bereichen wie Bowel Conditions, Allergien, Hypothyreose und rheumatischen Erkrankungen. Relevant für die Einordnung körperlicher Komorbiditäten als breites und nicht auf ein einzelnes Organsystem begrenztes Thema.

Interozeption, Alexithymie und erschwerte Körperwahrnehmung

Fiene L, Ireland MJ, Brownlow C.
The Interoception Sensory Questionnaire (ISQ): A Scale to Measure Interoceptive Challenges in Adults.
Journal of Autism and Developmental Disorders. 2018;48(10):3354–3366.
DOI: 10.1007/s10803-018-3600-3
Direkter Link: https://doi.org/10.1007/s10803-018-3600-3
Kurzbeschreibung: Grundlegende Arbeit zum Interoception Sensory Questionnaire bei Erwachsenen. Die Studie ist zentral für die Beschreibung interozeptiver Verwirrung und erschwerter Wahrnehmung innerer Körperzustände bei Autismus.

Suzman E, Williams ZJ, Feldman JI, et al.
Psychometric validation and refinement of the Interoception Sensory Questionnaire (ISQ) in adolescents and adults on the autism spectrum.
Molecular Autism. 2021;12:37.
DOI: 10.1186/s13229-021-00440-y
Direkter Link: https://doi.org/10.1186/s13229-021-00440-y
Kurzbeschreibung: Psychometrische Weiterentwicklung des ISQ in einer größeren Stichprobe. Die Arbeit stärkt die methodische Grundlage für die Erfassung interozeptiver Schwierigkeiten bei Autismus.

Larkin F, Ralston B, Dinsdale SJ, Kimura S, Hayiou-Thomas ME.
Alexithymia and intolerance of uncertainty predict somatic symptoms in autistic and non-autistic adults.
Autism. 2023;27(3):602–615.
DOI: 10.1177/13623613221109717
Direkter Link: https://doi.org/10.1177/13623613221109717
Kurzbeschreibung: Studie zu den Zusammenhängen zwischen Alexithymie, Intoleranz von Unsicherheit und somatischen Symptomen. Besonders relevant für die Frage, warum körperliche Beschwerden verspätet wahrgenommen, schwer benannt oder zunächst fehlgedeutet werden können.

Gesundheitsversorgung, Kommunikation und spätere somatische Abklärung

Doherty M, Neilson S, O’Sullivan J, Carravallah L, Johnson M, Cullen W, Shaw SCK.
Barriers to healthcare and self-reported adverse outcomes for autistic adults: a cross-sectional study.
BMJ Open. 2022;12(2):e056904.
DOI: 10.1136/bmjopen-2021-056904
Direkter Link: https://doi.org/10.1136/bmjopen-2021-056904
Kurzbeschreibung: Zentrale Querschnittsstudie zu Barrieren in der Gesundheitsversorgung autistischer Erwachsener. Die Arbeit ist besonders relevant für die Themen verzögerte Inanspruchnahme, Kommunikationsbarrieren und negative gesundheitliche Folgen.

Strömberg M, Liman L, Bang P, Igelström K.
Experiences of Sensory Overload and Communication Barriers by Autistic Adults in Health Care Settings.
Autism in Adulthood. 2022;4(1):66–75.
DOI: 10.1089/aut.2020.0074
Direkter Link: https://doi.org/10.1089/aut.2020.0074
Kurzbeschreibung: Qualitative Studie zu sensorischer Überlastung und Kommunikationsbarrieren im Gesundheitswesen. Relevant für die Frage, warum körperliche Beschwerden im medizinischen Kontakt nicht immer adäquat vermittelt oder verstanden werden.

Stein Duker LI, Giffin W, Taylor EE, Shkhyan L, Pomponio Davidson A, Mosqueda L.
Barriers and facilitators to primary healthcare encounters as reported by autistic adults: a qualitative study.
Frontiers in Medicine. 2025;12:1481953.
DOI: 10.3389/fmed.2025.1481953
Direkter Link: https://doi.org/10.3389/fmed.2025.1481953
Kurzbeschreibung: Qualitative Studie zu Hürden und Erleichterungen in hausärztlichen bzw. primärmedizinischen Kontakten. Die Arbeit verdeutlicht, dass Kommunikation, sensorische Umgebung und autismusspezifisches Wissen einen großen Einfluss auf körperliche Versorgungserfahrungen haben.

Hedlund Å, Andersson A, Lindberg M, Jordal M.
Experiences and perceptions of physical healthcare among adult autistic patients: A scoping review.
International Journal of Nursing Studies Advances. 2025;9:100366.
DOI: 10.1016/j.ijnsa.2025.100366
Direkter Link: https://doi.org/10.1016/j.ijnsa.2025.100366
Kurzbeschreibung: Aktuelle Scoping Review zu Erfahrungen autistischer Erwachsener in der körpermedizinischen Versorgung. Die Arbeit fasst typische Barrieren, Versorgungslücken und Bedarfe in der somatischen Gesundheitsversorgung zusammen.

Autismus, Schüchternheit und  soziale Ängste

Spain D, Sin J, Linder KB, McMahon J, Happé F.

Social anxiety in autism spectrum disorder: A systematic review.

Research in Autism Spectrum Disorders. 2018;52:51–68.

DOI: 10.1016/j.rasd.2018.04.007

Link: https://doi.org/10.1016/j.rasd.2018.04.007

Kurzbeschreibung: Die systematische Übersichtsarbeit zeigt, dass soziale Angst bei Autismus häufig vorkommt und mit Einschränkungen im sozialen Funktionsniveau assoziiert sein kann, betont jedoch zugleich methodische Heterogenität und diagnostische Abgrenzungsprobleme.

Spain D, Zivralı Yarar E, Happé F.

Social anxiety in adults with autism: a qualitative study.

International Journal of Qualitative Studies on Health and Well-being. 2020;15(1):1803669.

DOI: 10.1080/17482631.2020.1803669

Link: https://doi.org/10.1080/17482631.2020.1803669

Kurzbeschreibung: Die qualitative Studie zeigt, dass soziale Angst bei autistischen Erwachsenen nicht nur mit Bewertungsangst, sondern auch mit sozialer Überforderung, Missverständnissen, Erschöpfung und belastenden Vorerfahrungen verbunden sein kann.

Chew XY, Leong D-J, Khor KM, et al.

Clarifying Self-Report Measures of Social Anxiety and Obsessive-Compulsive Disorder to Improve Reporting for Autistic Adults.

Autism in Adulthood. 2021;3(2).

DOI: 10.1089/aut.2019.0064

Link: https://doi.org/10.1089/aut.2019.0064

Kurzbeschreibung: Die Arbeit zeigt, dass einzelne Selbstbeurteilungsitems von autistischen Erwachsenen anders verstanden werden können und dass Fragebogenergebnisse deshalb nicht ohne klinische Einordnung interpretiert werden sollten.

Boulton KA, Happe FGE, Burnett Heyes S, White SW.

Social anxiety symptoms in autism spectrum disorder and social anxiety disorder: psychometric properties of self-report instruments.

Autism Research. 2021.

DOI: 10.1002/aur.2572

Link: https://doi.org/10.1002/aur.2572

Kurzbeschreibung: Die Studie untersucht die psychometrischen Eigenschaften gängiger Selbstbeurteilungsinstrumente und zeigt Grenzen der Trennschärfe zwischen sozialer Angststörung und autismusbezogenen sozialen Erfahrungen.

Brett SG, den Houting JE, Black MH, et al.

Suitability of the DSM-5 social anxiety disorder severity scale for autistic adults.

Autism. 2025.

DOI: 10.1177/13623613241290547

Link: https://doi.org/10.1177/13623613241290547

Kurzbeschreibung: Die Studie zeigt, dass DSM-5-nahe Schweregradskalen soziale Angst bei autistischen Erwachsenen nicht immer präzise abbilden, weil Antworten auch durch Fatigue, Camouflaging und sensorische Überforderung beeinflusst sein können.

Carpita B, Cremone IM, Nardi B, et al.

Implications of Social Anxiety Symptoms in Adults with Autism Spectrum Disorder: Is There a Predictive Role of Interpersonal Sensitivity and Substance Abuse?

Brain Sciences. 2023;13(11):1559.

DOI: 10.3390/brainsci13111559

Link: https://doi.org/10.3390/brainsci13111559

Kurzbeschreibung: Die Studie unterstreicht die klinische Relevanz sozialer Angstsymptome bei autistischen Erwachsenen und legt nahe, weitere Belastungsfaktoren im Rahmen der Diagnostik und Behandlung mitzuberücksichtigen.

 Autismus und Borderline-Persönlichkeitsstörung

May T, Pilkington PD, Younan R, Williams K. 

Overlap of autism spectrum disorder and borderline personality disorder: A systematic review and meta-analysis.

Autism Research. 2021;14(12):2688–2710.

DOI: 10.1002/aur.2619

Link: https://doi.org/10.1002/aur.2619

Kurzbeschreibung: Die systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse zeigt Überschneidungen zwischen Autismus und Borderline-Persönlichkeitsstörung insbesondere in sozialer Interaktion und Emotionsregulation und stützt eine differenzierte Betrachtung von Überlappung, Fehldiagnose und möglicher Komorbidität.

Powell T, Parker J, Kitson H, Rogalewski M.

“It Was Like the Final Piece in the Puzzle for Me”: A Qualitative Study on the Experiences of Autistic Women Initially Diagnosed with Borderline Personality Disorder.

Autism in Adulthood. 2024;6(4):428–437.

DOI: 10.1089/aut.2023.0031

Link: https://doi.org/10.1089/aut.2023.0031

Kurzbeschreibung: Die qualitative Studie beschreibt, dass bei einigen später autistisch diagnostizierten Frauen zunächst Merkmale wie Selbstverletzung, Krisenhaftigkeit und komplexe psychische Belastung im Vordergrund standen, während eine entwicklungsbezogene Anamnese zu einer differenzierteren diagnostischen Einordnung beitrug.

Tamilson B, Eccles JA, Shaw SCK.

The experiences of autistic adults who were previously diagnosed with borderline or emotionally unstable personality disorder: A phenomenological study.

Autism. 2025;29(2).

DOI: 10.1177/13623613241276073

Link: https://doi.org/10.1177/13623613241276073

Kurzbeschreibung: Die phänomenologische Studie zeigt, dass eine frühere Borderline- beziehungsweise EUPD-Diagnose von Betroffenen teils als nicht hinreichend erklärend erlebt wurde und die spätere Autismusdiagnose zu einer veränderten Einordnung der Symptomatik führte.

McQuaid GA, Lee N, Wallace GL.

Borderline Personality as a Factor in Late, Missed, and Mis-Diagnosis in Female Autism: A Review of the Literature.

Autism in Adulthood. 2025.

DOI: 10.1089/aut.2024.0042

Link: https://doi.org/10.1089/aut.2024.0042

Kurzbeschreibung: Die Literaturübersicht arbeitet heraus, dass insbesondere weibliche und lange übersehene Autismus-Präsentationen ein erhöhtes Risiko für späte, ausbleibende oder fehlerhafte Diagnosestellungen im Sinne einer Borderline-Persönlichkeitsstörung aufweisen können.

Barnicot K, Thompson E, Turner S, Mandy W, McCabe R, Stark E, Parker J.

Overlapping And Differentiating Clinical Features of Autism and Borderline Personality Disorder in Women and People Assigned Female at Birth: A Cross-Sectional Study.

Autism. 2026.

DOI: 10.1177/13623613261431309

Link: https://doi.org/10.1177/13623613261431309

Kurzbeschreibung: Die Querschnittsstudie beschreibt sowohl überlappende als auch trennende klinische Merkmale bei Frauen und Personen, die bei Geburt weiblich zugewiesen wurden, und unterstreicht die Bedeutung einer sorgfältigen differenzialdiagnostischen Untersuchung.

 

* Alle Preise sind Orientierungswerte. Abrechnung nach GOÄ auf Grundlage der tatsächlich erbrachten ärztlichen Leistungen.
 

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