AuDHS & 
Diagnostische Einordnung

AuDHS: Wenn Autismus und ADHS gemeinsam vorliegen

AuDHS beschreibt das gemeinsame Vorliegen von Autismus und ADHS. Bei Erwachsenen zeigt sich diese Konstellation häufig komplexer, als es auf den ersten Blick erscheint, und erfordert eine sorgfältige diagnostische Einordnung. Die Überschneidungen und Unterschiede beider Profile können den Alltag, das Selbstverständnis und auch die diagnostische Einordnung wesentlich mitprägen.

Auf dieser Seite finden Sie Informationen dazu, was mit AuDHS gemeint ist, warum dieses Profil oft lange unerkannt bleibt, wie eine sorgfältige differentialdiagnostische Einordnung aussehen kann und warum Themen wie Erschöpfung, Körperwahrnehmung und Essen für viele Betroffene eine wichtige Rolle spielen.

Themen auf dieser Seite:

VERSTEHEN & ANERKENNEN

PRIVATPRAXIS für AUTISMUS- & ADHS-DIAGNOSTIK

Diagnostisch klären. 

Individuell begleiten.

Entlastung fördern.

AuDHS & 
Diagnostische Einordnung

Was mit AuDHS gemeint ist

AuDHS ist keine offizielle DSM-5-Diagnose. Auf dieser Website verwende ich den Begriff dort, wo Autismus und ADHS gemeinsam vorliegen und von vielen Betroffenen nicht nur als nebeneinanderstehende Diagnosen, sondern als zusammenwirkendes Profil erlebt werden. Für viele Betroffene ist genau das ein wichtiger Unterschied, weil sich ihr Erleben weder mit reinem Autismus noch mit reiner ADHS vollständig beschreiben lässt.

Gerade für Selbstannahme, Selbstwert und Identität kann das bedeutsam sein. Viele Betroffene erleben ihre Schwierigkeiten nicht als zwei sauber voneinander trennbare Bereiche. Sie erleben nicht „hier den Autismus“ und „dort die ADHS“, sondern ein gemeinsames Profil, in dem sich beides gegenseitig beeinflusst, verstärkt, überlagert oder manchmal auch verdeckt. Das ist kein theoretisches Konstrukt, sondern oft etwas sehr Konkretes: über Jahre das Gefühl zu haben, dass Beschreibungen immer nur teilweise passen, dass man sich selbst ständig erklären muss und dass das, was innen geschieht, von außen nur unvollständig gesehen wird.

Für viele Betroffene beschreibt AuDHS nicht einfach zwei Begriffe nebeneinander, sondern ein gemeinsames inneres Erleben. Gemeint ist damit nicht, dass Autismus und ADHS dasselbe wären, sondern dass beide sich im Alltag gegenseitig beeinflussen und in ihrer Kombination oft ein eigenes Belastungsprofil ergeben. Gerade für Selbstverständnis, Selbstannahme und Identität kann es wichtig sein, dafür eine präzise und ernstnehmende Sprache zu haben.

Warum ich auf dieser Website den Begriff AuDHS verwende

Ich verwende den Begriff AuDHS nicht, weil ich ein neues offizielles Störungsbild vergeben möchte, sondern weil er für viele Betroffene eine Erfahrung beschreibt, die sich weder mit reinem Autismus noch mit reiner ADHS vollständig erfassen lässt. Für viele ist das nicht nur eine diagnostische Frage, sondern auch eine Frage des Selbstverständnisses: Warum passt so vieles nie ganz zu den bekannten Beschreibungen? Warum wirkt das eigene Erleben nach außen oft widersprüchlich, obwohl es sich innerlich sehr konsistent anfühlt, wenn man beides zusammendenkt?

Gerade im Erwachsenenalter kommen viele Menschen mit einer langen Vorgeschichte von Teil-Erklärungen, Verdachtsdiagnosen oder dem Gefühl, in bekannten Beschreibungen nie vollständig vorzukommen. In diesem Kontext kann der Begriff AuDHS eine entlastende und klinisch sinnvolle Brückensprache sein. Er ersetzt keine sorgfältige Diagnostik. Er kann aber helfen, ein Profil zu benennen, das sonst oft zerrissen oder nur teilweise verstanden wird.

AuDHS ist keine offizielle DSM-5-Diagnose

AuDHS ist keine offizielle Diagnosekategorie im DSM-5. Der Begriff wird dort verwendet, wo Autismus und ADHS gemeinsam vorliegen und als zusammenwirkendes Profil erlebt werden. Für die formale klinische Diagnostik und Kodierung gelten weiterhin die jeweiligen diagnostischen Kriterien und Klassifikationssysteme.

Dass ein Begriff nicht offiziell als eigene Kategorie geführt wird, bedeutet allerdings nicht, dass er klinisch bedeutungslos wäre. Gerade in Bereichen, in denen Betroffene ein bestimmtes Profil sehr konsistent beschreiben und in der Diagnostik wiederkehrende Muster sichtbar werden, kann eine solche Bezeichnung hilfreich sein, solange transparent bleibt, was sie meint und was nicht.

Wenn Autismus und ADHS als zusammenwirkendes Profil erlebt werden

Für viele Betroffene sind die eigenen Schwierigkeiten besonders schwer einzuordnen, weil dabei sehr unterschiedliche, teils gegensätzliche Bedürfnisse und Erlebnisweisen gleichzeitig bestehen können. So kann es zum Beispiel ein starkes Bedürfnis nach Struktur, Vorhersehbarkeit und Reizkontrolle geben – und gleichzeitig ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Neuem, Abwechslung, innerer Bewegung oder spontaner Begeisterung. Es kann ein hohes Bedürfnis nach Rückzug und Reizschutz geben – und zugleich eine starke innere Unruhe oder ein schwer regulierbares Suchen nach Stimulation. Es kann ein tiefes Interesse an bestimmten Themen, Mustern oder Routinen bestehen – und gleichzeitig große Schwierigkeiten mit Umsetzung, Alltagsstruktur, Zeitgefühl und Priorisierung.

Vieles passt dann weder ganz zu den bekannten Beschreibungen eines „typischen“ Autismus noch zu denen einer „klassischen“ ADHS. Das eigene Erleben kann nach außen widersprüchlich wirken und ist für die betroffene Person selbst oft anstrengend, reibungsvoll und schwer in Worte zu fassen. Gerade weil dieses Profil nicht immer leicht lesbar ist, brauchen viele Betroffene lange, bis sie überhaupt eine Sprache dafür finden.

Selbstverständnis, Selbstannahme und Identität

Für viele Betroffene ist die Frage nach AuDHS nicht nur fachlich, sondern auch innerlich bedeutsam. Wenn langjährige Widersprüche, Beschämungserfahrungen oder das Gefühl, „falsch zusammengesetzt“ zu sein, endlich einen Zusammenhang bekommen, kann das entlastend sein. Es geht dann nicht nur darum, ob zwei Diagnosen gleichzeitig vorliegen, sondern auch darum, ob das eigene Erleben endlich in einer Weise benannt wird, die stimmig ist.

Gerade wer lange gehört hat, man sei zu empfindlich, zu sprunghaft, zu chaotisch, zu kontrolliert, zu kompliziert oder zu anstrengend, beginnt oft irgendwann selbst daran zu zweifeln, ob das eigene Erleben überhaupt berechtigt ist. Eine gute Einordnung kann helfen, dieses innere Misstrauen gegenüber sich selbst zu lockern. Nicht, indem alles pathologisiert wird, sondern indem das, was lange widersprüchlich wirkte, in eine nachvollziehbare Form gebracht wird.

Warum sich AuDHS oft schwer erkennen lässt

AuDHS bleibt oft lange unklar, weil sich sehr unterschiedliche und teils gegensätzliche Bedürfnisse gleichzeitig zeigen können. Was von außen widersprüchlich wirkt, ist für die betroffene Person selbst häufig ein dauerhaft anstrengendes und schwer erklärbares Gesamtbild.

Wenn unterschiedliche Bedürfnisse gleichzeitig bestehen

Viele Menschen mit AuDHS erleben keine einfache, klar lesbare Symptomatik, sondern ein Nebeneinander von Bedürfnissen, die sich im Alltag gegenseitig erschweren können. Einerseits kann Struktur entlastend sein, andererseits gelingt ihre Umsetzung nicht zuverlässig. Einerseits kann ein starkes Bedürfnis nach Ruhe, Vorhersehbarkeit und Reizkontrolle bestehen, andererseits gleichzeitig ein Drang nach Bewegung, Abwechslung oder Stimulation. Einerseits kann es intensive Interessen und eine hohe innere Bindung an Themen, Muster oder Systeme geben, andererseits Schwierigkeiten mit Priorisierung, Beginn, Alltagsorganisation oder Durchhalten.

Gerade dieses Nebeneinander wird von außen oft missverstanden. Was wie Widersprüchlichkeit aussieht, ist für Betroffene häufig kein Zeichen von Unentschlossenheit oder Inkonsistenz, sondern Ausdruck eines komplexen Profils, in dem unterschiedliche neurodevelopmentale Dynamiken gleichzeitig wirksam sind.

Warum das eigene Erleben nach außen widersprüchlich wirken kann

Viele Betroffene erleben genau das als besonders belastend: dass sie sich innerlich sehr konsequent fühlen und von außen trotzdem widersprüchlich gelesen werden. Dann wird zum Beispiel gesehen, dass jemand klare Routinen braucht, aber sie nicht stabil halten kann. Oder dass jemand hochinteressiert und tief fokussiert sein kann, gleichzeitig aber an scheinbar einfachen Alltagsanforderungen scheitert. Oder dass jemand sich sehr nach Nähe, Verständnis und Passung sehnt und soziale Situationen dennoch als hoch anstrengend oder überfordernd erlebt.

Diese Spannung führt nicht selten dazu, dass Betroffene sich selbst über Jahre schlecht erklären können. Manche versuchen, einzelne Teile ihres Erlebens in bekannte Beschreibungen einzuordnen und merken dennoch immer wieder: Etwas passt, aber nicht alles. Genau das ist einer der Gründe, warum eine AuDHS-Einordnung für viele überhaupt erst relevant wird.

Diagnostisches Overshadowing: Wenn sich Autismus und ADHS gegenseitig verdecken

Gerade hier kann es zu diagnostischem Overshadowing kommen. Gemeint ist damit, dass autistische Merkmale ADHS-typische Schwierigkeiten überdecken können – und umgekehrt. Dadurch wird manchmal zunächst nur ein Teil des Profils erkannt. In manchen Fällen bleibt das Gesamtbild sogar so lange unklar, dass weder Autismus noch ADHS als Diagnose gestellt wird, obwohl beides klinisch relevant mit im Raum steht.

Wenn zum Beispiel das Bedürfnis nach Struktur, Reizkontrolle oder Rückzug sehr stark sichtbar ist, können ADHS-typische Schwierigkeiten in der Handlungssteuerung, Priorisierung oder Aufmerksamkeitsregulation unterschätzt werden. Umgekehrt kann ein nach außen sehr chaotischer, impulsiver oder desorganisierter Alltag dazu führen, dass autistische Muster in sozialer Wahrnehmung, sensorischer Verarbeitung oder dem Bedürfnis nach Vorhersehbarkeit weniger gesehen werden.

Warum AuDHS oft erst spät erkannt wird

Nicht selten führt genau dieses gemischte Profil dazu, dass Betroffene lange mit dem Gefühl leben, nie ganz in bekannte Beschreibungen zu passen. Manche kommen zunächst wegen eines ADHS-Verdachts in die Diagnostik, und im Verlauf wird zusätzlich ein autistisches Profil erkennbar. Bei anderen steht zunächst Autismus im Vordergrund, während sich in der Abklärung zeigt, dass auch deutliche ADHS-Symptome und exekutive Schwierigkeiten mitberücksichtigt werden sollten.

Ein weiterer Grund dafür, dass AuDHS oft spät erkannt wird, ist die jahrelange Kompensationsleistung vieler Betroffener. Viele entwickeln Strategien, Routinen, Kontrollmechanismen, Ausweichbewegungen oder Erklärungen, die nach außen funktional wirken können, innerlich aber sehr viel Kraft kosten. Gerade bei Menschen, die lange gelernt haben, sich anzupassen, nicht aufzufallen oder die eigene Überforderung herunterzuspielen, wird das tatsächliche Ausmaß der Belastung von außen oft unterschätzt.

Diagnostische Einordnung

Eine sorgfältige diagnostische Einordnung ist bei AuDHS besonders wichtig, weil das gemeinsame Profil nicht in jedem Klassifikationssystem gleich gut abgebildet wird. Entscheidend ist deshalb nicht nur die formale Kodierung, sondern das klinische Verständnis des gesamten Profils.

Kodierung nach ICD-10-GM, klinische Einordnung nach DSM-5

Für die formale Kodierung wird in Deutschland nach ICD-10-GM codiert, wie es das Versorgungssystem vorsieht. Für die klinische Einordnung des autistischen Profils orientiere ich mich zugleich am DSM-5-Spektrumsbegriff. Das ist besonders dann wichtig, wenn zusätzlich deutliche ADHS-Symptome vorliegen oder sich im Verlauf der Diagnostik Hinweise auf ein gemeinsames Profil aus Autismus und ADHS ergeben.

Die diagnostische Aufgabe besteht dabei nicht nur darin, Kriterien formal abzuhaken, sondern zu verstehen, wie sich das Gesamtbild über die Lebensspanne entwickelt hat. Gerade im Erwachsenenalter ist es oft entscheidend, Symptome, Biografie, Anpassungsleistungen, Belastungsgeschichte und heutige Funktionsweise gemeinsam zu betrachten.

Warum die Doppeldiagnose nicht immer gut abbildbar ist

Die Gesamtprävalenz einer gesicherten Doppeldiagnose lässt sich derzeit nicht auf eine einzelne, allgemein gültige Zahl reduzieren. Das liegt nicht nur an unterschiedlichen Studien, Stichproben und Diagnosemethoden, sondern auch daran, dass verschiedene Klassifikationssysteme dieses gemeinsame Profil unterschiedlich gut abbilden. Gerade in Versorgungssystemen, in denen weiterhin mit ICD-10 codiert wird, kann sich das gemeinsame klinische Bild administrativ schlechter darstellen, als es diagnostisch tatsächlich verstanden wird.

Für Betroffene kann das verwirrend sein, weil formale Sprache und tatsächliches Erleben nicht immer deckungsgleich sind. Umso wichtiger ist es, transparent zu machen, dass diagnostische Präzision mehr bedeutet als ein einzelner Code.

Warum sich die Gesamtprävalenz nicht auf eine einfache Zahl reduzieren lässt

Wie häufig AuDHS vorkommt, lässt sich nicht mit einer einzigen Zahl seriös beantworten. Das liegt unter anderem an unterschiedlichen Altersgruppen, Studiendesigns, Stichproben, diagnostischen Verfahren und Begriffsverwendungen. Hinzu kommt, dass nicht jede Studie dieselbe Frage untersucht: Manche erfassen Autismus bei Menschen mit ADHS, andere ADHS bei Menschen im Autismus-Spektrum, wieder andere nur bestimmte Merkmalskonstellationen.

Für die Praxis ist deshalb oft weniger entscheidend, welche einzelne Zahl zitiert wird, sondern dass das gemeinsame Vorkommen von Autismus und ADHS klinisch relevant ist und in der Diagnostik mitgedacht werden sollte.

Worum es in der Diagnostik wirklich geht

Entscheidend ist deshalb nicht nur, welcher Code formell vergeben wird, sondern welches Gesamtprofil die Lebensgeschichte und das aktuelle Erleben am besten erklärt. Ziel einer guten Diagnostik ist nicht, möglichst viele Begriffe auf einmal zu vergeben, sondern ruhig, sorgfältig und präzise zu verstehen, was seit der Kindheit bestand, welche Bereiche sich gegenseitig verstärken und wo möglicherweise mehrere Erklärungen gleichzeitig berücksichtigt werden müssen.

Eine sorgfältige Diagnostik versucht deshalb nicht, das Leben künstlich zu vereinfachen. Sie versucht, Muster erkennbar zu machen: Was ist Grundstruktur, was Folge, was Überlagerung, was Komorbidität und was vielleicht eine frühere Fehldeutung.

DIFFERENTIALDIAGNOSTISCHE EINORDNUNG

AuDHS bedeutet nicht, dass jedes widersprüchliche Erleben automatisch durch das gemeinsame Vorliegen von Autismus und ADHS erklärt ist. Gerade deshalb ist es wichtig, Überschneidungen, Unterschiede, mögliche Fehldeutungen und echte Komorbiditäten sorgfältig auseinanderzuhalten.

AuDHS vs. Autismus ohne ADHS

Viele Betroffene kommen mit einem bereits bestehenden Verdacht auf Autismus oder haben bereits eine Autismus-Diagnose erhalten und merken trotzdem, dass damit noch nicht alles erklärt ist. Häufig geht es dann um eine sehr typische innere Spannung: Einerseits besteht ein hohes Bedürfnis nach Struktur, Vorhersehbarkeit, Klarheit und Reizkontrolle. Andererseits gelingt genau diese Struktur im Alltag nicht zuverlässig. Routinen wären entlastend, aber ihre Umsetzung scheitert immer wieder an innerer Unruhe, Aufschieben, Zeitblindheit, wechselnder Aufmerksamkeit oder Problemen im Handlungsbeginn.

Für Betroffene ist das oft besonders frustrierend, weil nicht etwa Gleichgültigkeit vorliegt, sondern im Gegenteil häufig ein starkes Bedürfnis nach Ordnung und innerer Haltbarkeit. Gerade deshalb wird das eigene Scheitern an Alltagsstruktur oft als beschämend erlebt. Die Frage ist dann nicht nur, ob ein autistisches Profil vorliegt, sondern ob ein autistisches Profil allein das Erleben vollständig erklärt.

Wichtig ist dabei: Nicht jede exekutive Schwierigkeit im Autismus bedeutet automatisch zusätzliche ADHS. Entscheidend ist, ob über die autistische Grundstruktur hinaus ein eigenständiges Muster von Aufmerksamkeitsregulation, Handlungssteuerung, Impulsivität oder innerer Getriebenheit seit der Kindheit erkennbar ist. Für manche Betroffene wird an diesem Punkt verständlich, warum die bisherige Autismus-Erklärung in vielem gestimmt hat – und trotzdem nicht ganz gereicht hat.

AuDHS vs. ADHS ohne Autismus

Umgekehrt gibt es viele Betroffene, die sich zunächst sehr in ADHS wiederfinden. Chaos, Aufschieben, Zeitprobleme, Reizoffenheit, Unruhe, Impulsivität oder das Gefühl, den Alltag innerlich kaum zusammenhalten zu können, sind dann oft sehr vertraut. Trotzdem bleibt manchmal ein Rest, der sich mit ADHS allein nicht gut erklären lässt. Gemeint ist damit weniger „noch mehr Symptomatik“ als eher eine andere Qualität des Erlebens: ausgeprägte sensorische Besonderheiten, ein starkes Bedürfnis nach Vorhersehbarkeit, soziale Missverständnisse, ein tiefes Erleben von Andersheit oder das Gefühl, soziale Regeln eher bewusst entschlüsseln zu müssen, statt sie selbstverständlich mitzuvollziehen.

Auch hier ist die entscheidende Frage nicht, ob sich einzelne Symptome überschneiden, sondern ob das Gesamtbild eher nach einem reinen ADHS-Profil aussieht oder ob zusätzlich ein autistisches Profil mitgedacht werden sollte. Nicht jede Reizempfindlichkeit, nicht jede intensive Fokussierung und nicht jede soziale Erschöpfung bei ADHS ist automatisch Ausdruck von Autismus. Für manche Betroffene wird aber genau an dieser Stelle verständlich, warum ADHS vieles erklärt hat – und trotzdem nie ganz ausgereicht hat.

AuDHS vs. Trauma / PTBS / kPTBS

Gerade bei Trauma, PTBS oder kPTBS ist die Verunsicherung oft besonders groß. Viele Betroffene kennen innere Alarmzustände, Reizoffenheit, Rückzug, Schlafprobleme, emotionale Überflutung, Konzentrationsschwierigkeiten oder das Gefühl, ständig in einer Form von innerer Anspannung zu leben. Das kann nach außen sehr ähnlich wirken – und fühlt sich für Betroffene oft auch ähnlich überwältigend an. Deshalb lautet die zentrale Frage hier meist nicht: Ist es Trauma oder AuDHS? Sondern eher: Was bestand schon früh? Was ist später hinzugekommen? Und was greift inzwischen so ineinander, dass es sich kaum noch sauber voneinander trennen lässt?

Wichtig ist dabei auch, belastende Erfahrungen im Lebensverlauf mitzudenken. Viele Betroffene mit Autismus, ADHS oder AuDHS berichten nicht nur einzelne traumatische Ereignisse, sondern langjährige Überforderung, häufiges Missverstandenwerden, Mobbing, wiederholte Beschämung, instabile oder stark belastete Beziehungserfahrungen und chronischen Stress. Dazu können auch belastende Familienverhältnisse, chronischer Stress, Sucht, Vernachlässigung oder Gewalt gehören. Für manche Betroffene ist es nicht leicht, so etwas anzusprechen oder auf eine solche Frage vorbereitet zu sein; gerade deshalb sollte dieser Bereich behutsam und nicht wertend erfragt werden. Gemeint ist damit keine Schuldzuweisung und ausdrücklich keine Erklärung von Autismus oder ADHS über Elternverhalten.

Die Studienlage spricht vielmehr dafür, solche Belastungen anamnestisch mitzudenken, weil sie Traumafolgen, Selbstwert, Stressverarbeitung und das aktuelle Funktionsniveau zusätzlich prägen können. Zugleich gilt klar: Das alte Konzept der „Kühlschrank-Mutter“ ist wissenschaftlich obsolet; Bindungs- oder Beziehungsschwierigkeiten sind nicht die Ursache von Autismus. Gerade im AuDHS-Kontext ist dieser anamnestische Blick wichtig, weil sich autistische und ADHS-bezogene Belastungen mit chronischem Stress, familiärer Belastung und möglichen Traumafolgen überlagern können und das Gesamtbild dadurch klinisch komplexer wird. Neurodevelopmentales Profil und Traumafolgen können sich unter solchen Bedingungen wechselseitig verstärken. Es kann also eine Fehldeutung sein. Es kann aber ebenso gut beides gleichzeitig vorliegen. Für viele Betroffene ist gerade diese Möglichkeit wichtig, weil sie entlastet: Nicht alles muss entweder „nur neurodevelopmental“ oder „nur traumaassoziiert“ sein. Manchmal war die bisherige Einordnung zu schmal. Manchmal war sie nicht falsch, aber unvollständig.

AuDHS vs. Borderline-Persönlichkeitsstörung

Die Frage nach einer möglichen Borderline-Persönlichkeitsstörung ist für viele Betroffene mit viel Unsicherheit, Anspannung und oft auch schlechten Vorerfahrungen verbunden. Manche kommen mit einer früheren Borderline-Diagnose in die Diagnostik und fragen sich, ob sie damals falsch gesehen wurden. Andere fürchten, wieder in einer Erklärung zu landen, die sich für sie nicht stimmig anfühlt. Wieder andere erleben Krisen, Selbstverletzung, starke Beziehungsspannungen oder emotionale Eskalationen und wissen nicht, ob das eher zu Trauma, Borderline, AuDHS – oder zu mehreren Dingen gleichzeitig gehört.

Hier ist besonders wichtig: Eine frühere Borderline-Diagnose ist nicht automatisch falsch. Aber sie erklärt auch nicht automatisch alles. Gerade deshalb reicht es nicht, nur auf Selbstverletzung, Impulsivität oder Krisen zu schauen. Entscheidend ist die innere Logik: Geht es eher um sensorische Überlastung, soziale Missverständnisse, chronische Überforderung, Reizregulation, Erschöpfung und exekutive Entgleisung? Oder steht eher eine Borderline-spezifische Beziehungs- und Krisendynamik im Vordergrund?

Auch hier lautet die ehrliche Antwort häufig: Es kann Fehldiagnose sein. Es kann Komorbidität sein. Und manchmal war eine frühere Einordnung nicht völlig falsch, aber zu grob, zu eng oder zu unvollständig. Gerade deshalb ist eine respektvolle Neubewertung oft hilfreicher als ein vorschnelles „Das war alles nur falsch“.

AuDHS vs. bipolare Störung

Die Abgrenzung zur bipolaren Störung ist besonders wichtig, weil es sich hier um ein schwerwiegendes Krankheitsbild handelt, das Stimmung, Antrieb, Schlaf, Selbstwahrnehmung, Urteilsvermögen und Alltag phasenweise so deutlich verändern kann, dass Beziehungen, Arbeit, Selbstschutz und im schweren Verlauf auch die Realitätswahrnehmung beeinträchtigt werden können. Viele Betroffene kommen mit einer langen und oft belastenden Krankheitsgeschichte in die Diagnostik. Nicht selten bestehen bereits Vorerfahrungen mit psychiatrischer Behandlung, medikamentösen Behandlungsversuchen, tiefen depressiven Einbrüchen, suizidalen Krisen oder Phasen, in denen Entscheidungen, Impulse oder Lebensumstände deutlich außer Kontrolle geraten sind. Umso wichtiger ist hier eine sorgfältige diagnostische Einordnung, die den Ernst der Lage sieht, ohne vorschnell zu vereinfachen.

Viele Betroffene mit AuDHS kennen Zustände von innerer Beschleunigung, Schlafproblemen, Reizbarkeit, Übersteuerung oder massiver Überforderung. Genau deshalb entsteht nicht selten die Frage, ob das noch zum AuDHS-Profil gehört oder ob eine bipolare Erkrankung mit im Raum steht.

Für Betroffene ist hier oft die Frage zentral, ob das Leben eher als ein langjähriger, anstrengender Grundmodus erlebt wird, der sich unter Belastung zuspitzt, oder ob tatsächlich Krankheitsphasen bestehen, in denen das eigene Erleben gegenüber dem sonstigen Zustand deutlich verändert ist. Auch hier gilt: Verwechslung ist möglich. Komorbidität ist ebenfalls möglich. Gerade deshalb braucht es eine sorgfältige Verlaufsdiagnostik, die nicht nur auf einzelne Symptome, sondern auf Zeitstruktur, Schweregrad und Folgen schaut.

AuDHS vs. Depression, Angst und Erschöpfung

Dieser Bereich ist für viele Betroffene besonders nah am eigenen Alltag. Viele erleben sich über Jahre erschöpft, innerlich überlastet, reizoffen, blockiert oder dauerhaft an der Belastungsgrenze. Von außen wirkt das manchmal wie Depression, Vermeidung oder Angst. Innerlich fühlt es sich oft anders an: nicht wie „ich will nicht“, sondern eher wie „ich kann nicht mehr gut regulieren“, „alles kostet zu viel Kraft“, „es ist zu viel gleichzeitig“ oder „ich bin längst über dem Punkt, an dem mein System noch mitkommt“.

Gerade deshalb ist die Abgrenzung zwischen AuDHS, depressiver Episode, Angststörung und Burnout-naher Erschöpfung häufig nicht trennscharf. Manchmal ist es eine Fehldeutung, wenn chronische Überforderung nur als Depression gelesen wird. Manchmal liegt tatsächlich zusätzlich eine behandlungsbedürftige Depression oder Angststörung vor. Und manchmal verstärken sich mehrere Bereiche gegenseitig so sehr, dass genau dieses Nebeneinander klinisch mitgedacht werden muss.

Die wichtigste Haltung ist deshalb nicht „entweder-oder“, sondern eine sorgfältige Einordnung: Welche Anteile sind neurodevelopmental mitbedingt? Welche sind affektiv, stressbedingt, traumaassoziiert oder Folge langjähriger Überanstrengung? Und wo liegen mehrere Bereiche gleichzeitig vor?

AuDHS, Erschöpfung, Körperwahrnehmung & Essen

Für viele Menschen mit AuDHS sind Erschöpfung, körperliche Belastung und Probleme rund um Essen, Ruhe, Reizverarbeitung oder Angst nicht nur Nebenthemen, sondern ein wesentlicher Teil des Alltags. Gerade dann kann es sehr verletzend sein, wenn das eigene Erleben mit Sätzen wie „Stell Dich nicht so an“ abgewertet wird. Für viele Betroffene ist das kein beiläufiges Feedback, sondern eine Erfahrung, die sich über Jahre wiederholt: dass sensorische Überlastung, Erschöpfung, Schmerzen, Essprobleme, Ruhebedürfnis oder Ängste nicht als reale Belastung verstanden, sondern als Überempfindlichkeit, Unwillen oder „Anstellerei“ gelesen werden. Dabei geht es oft gerade nicht um mangelnde Belastbarkeit im gewöhnlichen Sinn, sondern um ein anderes, häufig dauerhaft angespanntes und überlastetes Zusammenspiel von Reizverarbeitung, Selbstregulation, Körperwahrnehmung und Alltag. Genau deshalb ist dieses Themenfeld für viele Menschen mit AuDHS eng mit Selbstwert, Selbstverständnis und der Frage verbunden, ob das eigene Leiden ernst genommen wird.

Erschöpfung, Depression, Angst und Burnout

Erschöpfung ist bei AuDHS häufig mehr als normale Müdigkeit. Viele Betroffene beschreiben nicht einfach, dass sie „viel Stress“ haben, sondern eher ein tiefes Gefühl von innerer Daueranstrengung: zu viele Reize, zu viel Selbststeuerung, zu viel innere Mehrarbeit, zu wenig echte Regeneration. Der Alltag kostet dann unverhältnismäßig viel Kraft. Dinge, die nach außen klein wirken, können innen bereits den Punkt markieren, an dem kaum noch Spielraum vorhanden ist. Das ist einer der Gründe, warum Erschöpfung bei AuDHS so oft lange missverstanden wird. Von außen wirkt jemand vielleicht noch funktional. Innerlich ist die Belastungsgrenze aber längst überschritten.

Gerade bei AuDHS überlagern sich dabei oft mehrere Belastungsquellen: chronische Reizbelastung, exekutive Daueranstrengung, soziale Überkompensation, Masking oder Camouflaging, Schlafprobleme, fehlende Passung im Alltag und ein über Jahre entstandenes Gefühl, ständig gegen die eigene innere Funktionsweise arbeiten zu müssen. Das kann sich nach außen wie Depression, Angst oder „Burnout“ zeigen, ist innerlich aber häufig komplexer. Eine Depression kann mit Hoffnungslosigkeit, Interessenverlust, Rückzug, Selbstabwertung und deutlicher Antriebsminderung einhergehen. Bei AuDHS stehen demgegenüber oft zunächst eher chronische Überforderung, Funktionsverlust unter Stress, mangelnde Regeneration und ein Gefühl von dauerhafter innerer Mehrarbeit im Vordergrund. In der Praxis ist diese Unterscheidung aber nicht immer trennscharf. Auch Depression kann mit Erschöpfung und Funktionsverlust einhergehen, und Erschöpfungszustände bei AuDHS können wiederum mit depressiven Gefühlen, Verzweiflung oder Angst verbunden sein. Oft gibt es deshalb Überlappungen, und manchmal liegt auch mehr als ein Bereich gleichzeitig vor.

Wichtig ist auch, verschiedene Burnout-Begriffe nicht vorschnell gleichzusetzen. Mit arbeitsbezogenem Burnout ist im engeren Sinn ein Erschöpfungszustand gemeint, der im Zusammenhang mit chronischem Stress am Arbeitsplatz entsteht. Daneben wird zunehmend von autistischem Burnout gesprochen. Gemeint ist damit kein offizieller Diagnosetitel, sondern ein Zustand ausgeprägter Erschöpfung, verringerter Belastbarkeit, deutlichen Funktionsverlusts oder Funktionsabfalls im Zusammenhang mit chronischer Überlastung, fehlender Passung und anhaltendem Anpassungsdruck. Viele Betroffene beschreiben dabei nicht nur Müdigkeit, sondern ein tiefes Nicht-mehr-Können. Für AuDHS ist dieses Thema besonders relevant, weil sich autistische Überlastung und ADHS-bedingte Daueranstrengung häufig gegenseitig verstärken. Gerade deshalb sollte Erschöpfung hier weder bagatellisiert noch vorschnell in nur eine einzige Kategorie eingeordnet werden.

Körperliche Begleitbelastungen und somatische Komorbiditäten

Viele Menschen mit AuDHS berichten nicht nur psychische oder kognitive Erschöpfung, sondern auch körperliche Belastungen: chronische Schmerzen, starke Fatigue, Kreislaufprobleme, vegetative Instabilität, Hypermobilität oder andere Beschwerden, die sich nicht sinnvoll auf „Stress“ oder „Einbildung“ reduzieren lassen. In der klinischen Praxis wirkt dieses Feld oft deutlich größer, als es in vielen Standardbeschreibungen von Autismus oder ADHS sichtbar wird. Gerade deshalb ist es wichtig, körperliche Mitbeteiligung ernst zu nehmen und nicht nur als Nebenschauplatz der Psyche zu behandeln. Die vorhandene Forschung spricht dafür, dass körperliche Komorbiditäten im Umfeld von Autismus, ADHS und breiter gefassten neurodivergenten Gruppen klinisch relevant sein können, auch wenn die spezifische AuDHS-Datenlage in vielen Bereichen noch begrenzt ist.

Für viele Betroffene ist das besonders belastend, weil körperliche Signale oft lange nicht ernst genommen werden. Wenn jemand schnell erschöpft ist, Schmerzen hat, Ruhe braucht, bestimmte Belastungen schlecht toleriert oder nach Reizen und sozialen Anforderungen körperlich zusammenbricht, wird das von außen nicht selten als Überempfindlichkeit gelesen. Genau hier wirken frühere Erfahrungen von Abwertung oft lange nach. Wer immer wieder hört, er oder sie solle sich nicht so anstellen, beginnt häufig irgendwann selbst daran zu zweifeln, ob die eigene Wahrnehmung berechtigt ist. Für Menschen mit AuDHS, die ohnehin oft viel innere Übersetzungsarbeit leisten müssen, kann das tief in Selbstwert und Selbstvertrauen eingreifen. Gerade deshalb sollte die Diagnostik auch körperliche Begleitbelastungen mitdenken und Raum dafür schaffen, dass Beschwerden real sein können, auch wenn ihre Zusammenhänge im Einzelfall noch nicht vollständig geklärt sind.

In meiner klinischen Arbeit fällt dabei besonders auf, dass ausgeprägte Erschöpfung und körperliche Begleitbelastungen bei AuDHS-Patient:innen häufig zusammen mit Alexithymie und Schwierigkeiten in der Interozeption auftreten. Wissenschaftlich ist dieser Zusammenhang im AuDHS-Kontext bisher noch nicht ausreichend geklärt. Ich würde ihn deshalb eher als wichtige klinische Beobachtung als als gesicherte Kausalkette verstehen. Für die diagnostische Einordnung ist dieser Punkt trotzdem relevant, weil Menschen, die innere Körpersignale nur schwer wahrnehmen, benennen oder rechtzeitig einordnen können, oft sehr spät merken, wie sehr ihr System bereits überlastet ist. Das kann die Selbstregulation zusätzlich erschweren und körperliche Belastungen länger unerkannt oder unzureichend eingeordnet lassen.

ARFID, Nahrungsselektivität, Interozeption und Essstörungen

Auch Essen ist bei AuDHS oft weit mehr als nur Essen. Für manche Menschen stehen starke sensorische Abneigungen gegen bestimmte Konsistenzen, Temperaturen, Gerüche oder Mischungen im Vordergrund. Andere essen sehr eingeschränkt, weil Vertrautheit, Gleichförmigkeit und Vorhersehbarkeit Sicherheit geben. Wieder andere verlieren Hunger- und Sättigungssignale aus dem Blick, vergessen Essen, essen unregelmäßig oder merken erst sehr spät, dass der Körper längst überfordert ist. Gerade bei AuDHS können sich diese Mechanismen überlagern: sensorische Besonderheiten, Bedürfnis nach Vertrautheit, Interozeptionsprobleme, exekutive Schwierigkeiten mit Planung und Regelmäßigkeit und zum Teil auch Essen zur Selbstregulation oder Stimulation. Genau dadurch wirkt Essverhalten von außen oft widersprüchlich, innerlich ist es aber häufig in sich stimmig.

Auf Englisch ausgeschrieben heißt ARFID Avoidant/Restrictive Food Intake Disorder. Die in der deutschsprachigen Fachliteratur und Leitlinien gebräuchliche Bezeichnung dafür ist Störung mit Vermeidung oder Einschränkung der Nahrungsaufnahme (ARFID). In der AWMF-S3-Leitlinie zu Essstörungen wird ARFID auch genau so benannt.

Wichtig ist dabei, ARFID nicht mit bloßer „Wählerischkeit“ oder abwertenden Alltagsbegriffen wie „picky eater“ oder „krüsch“ gleichzusetzen. Solche Begriffe können verharmlosen, was für Betroffene mit erheblichem Leidensdruck, Stress, Mangelversorgung, sozialer Einschränkung oder großer Unsicherheit verbunden sein kann. Gleichzeitig sollte auch nicht jede Selektivität vorschnell als Essstörung bezeichnet werden. Entscheidend ist, ob tatsächlich deutliche Beeinträchtigung, erheblicher Stress, Mangelversorgung, Gewichtsprobleme oder psychosoziale Folgen vorliegen. Gerade für AuDHS ist das klinisch wichtig, weil Selektivität, Interozeptionsprobleme und sensorische Besonderheiten häufig vorkommen können, ohne dass automatisch bereits eine Essstörung im engeren Sinn vorliegt. Ziel der Diagnostik ist deshalb nicht, Essen vorschnell zu pathologisieren, sondern sorgfältig zu verstehen, ob eher sensorische Besonderheiten, Schwierigkeiten in Hunger- und Sättigungswahrnehmung, Bedürfnis nach Vertrautheit, ADHS-bedingte Unregelmäßigkeit, affektive Belastung oder tatsächlich eine ARFID-Konstellation im Vordergrund stehen – oder ob mehrere dieser Bereiche zusammenwirken.

Die direkte AuDHS-spezifische Forschung zu ARFID und Essproblemen ist derzeit noch begrenzt, aber die vorhandenen Arbeiten sprechen dafür, dass dieses Feld klinisch sehr ernst genommen werden sollte. Studien zu Erwachsenen mit Autismus und/oder ADHS zeigen häufiger Essschwierigkeiten, Probleme mit Geschmack und Textur sowie Schwierigkeiten, Hunger und Sättigung gut wahrzunehmen. Neuere Arbeiten zu neurodivergenten Essprofilen sprechen außerdem dafür, dass sensorische Besonderheiten, Interozeption und Essstörungssymptomatik eng miteinander verflochten sein können. Für viele Betroffene ist es deshalb sehr entlastend, wenn Probleme beim Essen nicht nur als „kompliziertes Verhalten“ oder „Anstellerei“ gelesen werden, sondern als ernstzunehmender Teil eines Gesamtprofils, in dem Reizverarbeitung, Körperwahrnehmung, Selbstregulation und langjährige Anpassungsleistung zusammenwirken.

Warum dieser ganze Bereich so wichtig ist

Für viele Menschen mit AuDHS hängen Erschöpfung, körperliche Belastung, Essen, Ruhe, Angst, Reizverarbeitung und Selbstwert eng zusammen. Gerade weil in der Kindheit oder auch später oft Rückmeldungen kamen wie „Stell Dich nicht so an“, entsteht leicht das Gefühl, dass das eigene Erleben falsch, übertrieben oder nicht ernst zu nehmen sei. Eine sorgfältige Diagnostik kann hier entlastend sein, weil sie nicht vorschnell vereinfacht, sondern fragt: Was ist sensorisch mitbedingt? Was gehört eher zu Interozeption, Alexithymie oder Essregulation? Was ist depressive oder angstbezogene Belastung? Wo liegen körperliche Begleitbelastungen vor? Und welche Formen von Erschöpfung sind Ausdruck eines langjährigen neurodevelopmentalen Profils, das viel mehr Kraft kostet, als von außen sichtbar ist?

Gerade für Selbstverständnis und Selbstannahme ist das oft ein entscheidender Unterschied. Nicht jede Erschöpfung ist einfach „nur Stress“. Nicht jedes Ruhebedürfnis ist „Faulheit“. Nicht jede Selektivität ist „Anstellerei“. Und nicht jedes Funktionieren nach außen bedeutet, dass innen noch genügend Kraft vorhanden ist. Für viele Betroffene ist es deshalb eine große Entlastung, wenn dieses scheinbar zersplitterte Erleben einen nachvollziehbaren Zusammenhang bekommt.

Warum diese Einordnung entlastend sein kann

Für viele Betroffene ist es entlastend, wenn das scheinbar Widersprüchliche einen nachvollziehbaren Zusammenhang bekommt. Gerade wer über Jahre Rückmeldungen wie „Stell Dich nicht so an“, „Du bist zu empfindlich“, „Du willst einfach nicht“ oder „So schlimm kann das doch nicht sein“ gehört hat, beginnt oft irgendwann selbst daran zu zweifeln, ob das eigene Erleben berechtigt ist.

SELBSTWERT & AuDHS

Wenn langjähriger Leidensdruck einen Zusammenhang bekommt

Eine gute Einordnung kann helfen, langjährigen Leidensdruck besser zu verstehen. Nicht alles wird dadurch leicht. Aber vieles wird verständlicher. Gerade wenn Betroffene über Jahre nur Teil-Erklärungen erhalten haben, kann es sehr entlastend sein, das eigene Erleben nicht länger als unsortiertes Nebeneinander von Schwächen, Überempfindlichkeiten und „falschen Reaktionen“ sehen zu müssen.

Nicht „zu empfindlich“, „zu chaotisch“ oder „zu anstrengend“ – sondern oft mehreres gleichzeitig

Manchmal ist man nicht „zu strukturiert“ oder „zu chaotisch“, nicht „zu sensibel“ oder „zu sprunghaft“, nicht „zu anstrengend“ oder „zu wenig belastbar“, sondern erlebt tatsächlich mehrere Dinge gleichzeitig – auf eine Weise, die mit einem reinen Autismus- oder reinen ADHS-Modell nicht vollständig erfasst ist. Gerade dafür kann eine sorgfältige AuDHS-Einordnung hilfreich sein.

Eine solche Einordnung nimmt Leidensdruck ernst, ohne Menschen auf Defizite zu reduzieren. Sie kann helfen, Widersprüche nicht länger als persönliches Versagen zu erleben, sondern als Ausdruck eines komplexen, aber nachvollziehbaren Profils.

Warum richtige Einordnung etwas mit Selbstwert zu tun hat

Für viele Betroffene ist genau das der Punkt, an dem Diagnostik nicht nur beschreibend, sondern wirklich entlastend wird: wenn etwas, das lange widersprüchlich, beschämend oder unerklärlich wirkte, endlich in einen Zusammenhang gebracht werden kann. Gerade deshalb hat diagnostische Einordnung oft auch etwas mit Selbstwert zu tun.

Wer sich selbst lange als zu kompliziert, zu empfindlich oder nicht belastbar genug erlebt hat, braucht oft nicht nur Kriterien, sondern eine Sprache, in der das eigene Erleben ernst genommen und innerlich verstehbar wird.

ZIELE der DIAGNOSTIK

Was eine sorgfältige Diagnostik klären kann

Ziel einer guten Diagnostik ist nicht, möglichst viele Begriffe auf einmal zu vergeben, sondern das Gesamtbild ruhig, präzise und respektvoll zu verstehen. Entscheidend ist, was seit der Kindheit bestand, welche Bereiche sich gegenseitig verstärken und wo möglicherweise mehrere Erklärungen gleichzeitig berücksichtigt werden müssen.

Was seit der Kindheit bestand

Ein zentrales Anliegen der Diagnostik ist die Frage, welche Muster bereits seit früher Entwicklung bestanden. Gerade im Erwachsenenalter ist das wichtig, weil viele Menschen über Jahre kompensieren, überspielen oder nach außen funktional wirken, obwohl die innere Belastung hoch ist.

Die Rückschau auf Kindheit und Jugend dient dabei nicht der simplen Beweisführung, sondern dem besseren Verständnis der Grundstruktur: Was war schon früh da, auch wenn es damals nicht erkannt oder anders gedeutet wurde?

Welche Bereiche sich gegenseitig verstärken

Viele Belastungen liegen nicht isoliert nebeneinander. Sensorische Überforderung, exekutive Schwierigkeiten, soziale Daueranstrengung, Schlafprobleme, Erschöpfung, Angst, depressive Symptome, Interozeptionsprobleme oder somatische Beschwerden können sich gegenseitig verstärken. Eine gute Diagnostik versucht deshalb nicht nur einzelne Symptome zu benennen, sondern zu verstehen, wie die verschiedenen Bereiche zusammenwirken.

Wo echte Komorbidität vorliegt

Manchmal erklärt nicht ein einziges Modell das gesamte Bild. Es kann echte Komorbidität vorliegen. Das bedeutet nicht, dass frühere Diagnosen automatisch falsch waren. Es kann bedeuten, dass mehrere Bereiche gleichzeitig berücksichtigt werden müssen, weil sie jeweils einen relevanten Anteil am Gesamtbild haben.

Gerade eine respektvolle diagnostische Haltung versucht deshalb nicht vorschnell zu vereinfachen, sondern sorgfältig zu differenzieren.

Wo andere Erklärungen mitgedacht werden sollten

Eine sorgfältige Diagnostik kann helfen zu klären, welche Merkmale seit früher Entwicklung bestehen, wo echte Komorbidität vorliegt, welche Belastungen eher sekundär entstanden sind, welche Anteile neurodevelopmental, affektiv, stressbedingt, traumaassoziiert oder somatisch mitbedingt sind und an welchen Stellen sich frühere Diagnosen, Fehldeutungen oder Overshadowing überlagert haben.

Für viele Betroffene ist genau das entlastend: nicht länger nur einzelne Symptome erklärt zu bekommen, sondern das eigene Erleben als zusammenhängendes Profil verstehen zu dürfen.

Wissenschaftliche Grundlagen

Interessante Studien und fachliche Einordnung

Die folgenden Arbeiten bilden die wissenschaftliche Grundlage der Einordnung auf dieser Seite.

Wo die direkte AuDHS-/AuDHD-Datenlage noch begrenzt ist, stützt sich die Einordnung auf direkte Arbeiten zum gemeinsamen Profil von Autismus und ADHS sowie auf belastbare Forschung zu Autismus und ADHS jeweils für sich.

Begriff, Definition und diagnostische Einordnung

Young S, Hollingdale J, Absoud M, et al. (2020). Guidance for identification and treatment of individuals with attention deficit/hyperactivity disorder and autism spectrum disorder based upon expert consensus. BMC Medicine. DOI: 10.1186/s12916-020-01585-y
Link: https://doi.org/10.1186/s12916-020-01585-y

Konsensusarbeit zur Identifikation und Behandlung von ADHS und Autismus. Zusammengefasst werden klinische Empfehlungen zu Diagnostik, Versorgung und gemeinsamen Behandlungsfragen.

Rong Y, Yang C-J, Jin Y, Wang Y. (2021). Prevalence of attention-deficit/hyperactivity disorder in individuals with autism spectrum disorder: A meta-analysis. Research in Autism Spectrum Disorders. DOI: 10.1016/j.rasd.2021.101759
Link: https://doi.org/10.1016/j.rasd.2021.101759

Metaanalyse zur Häufigkeit von ADHS bei Menschen im Autismus-Spektrum. Die Arbeit zeigt ein häufiges Ko-Vorkommen bei zugleich deutlicher Variation zwischen Studien, Altersgruppen und diagnostischen Verfahren.

Hours C, Recasens C, Baleyte J-M. (2022). ASD and ADHD Comorbidity: What Are We Talking About? Frontiers in Psychiatry. DOI: 10.3389/fpsyt.2022.837424
Link: https://doi.org/10.3389/fpsyt.2022.837424

Übersichtsarbeit zur begrifflichen und klinischen Einordnung der Komorbidität von Autismus und ADHS. Dargestellt werden Überlappungen, Unterschiede und offene diagnostische Fragen.

Craddock E. (2024). Being a Woman Is 100% Significant to My Experiences of Attention Deficit Hyperactivity Disorder and Autism: Exploring the Gendered Implications of an Adulthood Combined Autism and Attention Deficit Hyperactivity Disorder Diagnosis. Qualitative Health Research. DOI: 10.1177/10497323241253412
Link: https://doi.org/10.1177/10497323241253412

Qualitative Studie zu den Erfahrungen erwachsener Frauen mit kombinierter ADHS- und Autismusdiagnose. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Masking, Fehldiagnosen, Anpassungsdruck und Identitätsentwicklung.

Craddock E. (2026). Navigating residual diagnostic categories: The lived experiences of women diagnosed with autism and ADHD in adulthood. Health. DOI: 10.1177/13634593251336163
Link: https://doi.org/10.1177/13634593251336163

Qualitative Arbeit zu den Erfahrungen erwachsener Frauen mit kombinierter Autismus- und ADHS-Diagnose. Die Studie beleuchtet insbesondere die Spannung zwischen formalen diagnostischen Kategorien und subjektivem Erleben.

Petruzzelli MG, Matera E, Margari L, et al. (2026). An update on the comorbidity of attention deficit/hyperactivity disorder (ADHD) and autism spectrum disorder (ASD) and its clinical management. Expert Review of Neurotherapeutics. DOI: 10.1080/14737175.2025.2599856
Link: https://doi.org/10.1080/14737175.2025.2599856

Aktuelle Übersichtsarbeit zum gemeinsamen Auftreten von ADHS und Autismus. Behandelt werden diagnostische Abgrenzung, klinisches Management und Implikationen für die Versorgung.

Trauma / PTBS / kPTBS

Magdi HM, Abousoliman AD, Ibrahim AM, et al. (2025). Attention-deficit/hyperactivity disorder and post-traumatic stress disorder adult comorbidity: a systematic review. Systematic Reviews. DOI: 10.1186/s13643-025-02774-7
Link: https://doi.org/10.1186/s13643-025-02774-7

Systematische Übersichtsarbeit zur Komorbidität von ADHS und PTBS im Erwachsenenalter. Zusammengefasst werden Befunde zu gemeinsamem Auftreten, klinischer Überlappung und diagnostischer Komplexität.

Spencer AE, Faraone SV, Bogucki OE, et al. (2016). Examining the association between posttraumatic stress disorder and attention-deficit/hyperactivity disorder: a systematic review and meta-analysis. Journal of Clinical Psychiatry. DOI: 10.4088/JCP.14r09479
Link: https://doi.org/10.4088/JCP.14r09479

Systematische Übersicht mit Metaanalyse zum Zusammenhang zwischen ADHS und PTBS. Die Ergebnisse sprechen für eine klinisch relevante Assoziation und unterstreichen die Bedeutung sorgfältiger Differenzialdiagnostik.

Quinton AMG, Ali D, Danese A, Happé F, Rumball F. (2024). The Assessment and Treatment of Post-traumatic Stress Disorder in Autistic People: A Systematic Review. Review Journal of Autism and Developmental Disorders. DOI: 10.1007/s40489-024-00430-9
Link: https://doi.org/10.1007/s40489-024-00430-9

Systematische Übersichtsarbeit zur Diagnostik und Behandlung von PTBS bei autistischen Menschen. Beschrieben werden Besonderheiten der Symptomdarstellung sowie Lücken in Forschung und Versorgung.

Mansour H, Kurana S, Eshetu A, et al. (2025). Prevalence of Post-Traumatic Stress Disorder (PTSD) in autistic children or young people and adults: A systematic review and meta-analysis. Clinical Psychology Review. DOI: 10.1016/j.cpr.2025.102621
Link: https://doi.org/10.1016/j.cpr.2025.102621

Metaanalyse zur Prävalenz von PTBS bei autistischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Die Arbeit fasst die Datenlage zum Ausmaß traumabezogener Belastung in unterschiedlichen Altersgruppen zusammen.

Rumball F, Happé F, Grey N. (2020). Experience of Trauma and PTSD Symptoms in Autistic Adults: Risk of PTSD Development Following DSM-5 and Non-DSM-5 Traumatic Life Events. Autism Research. DOI: 10.1002/aur.2306
Link: https://doi.org/10.1002/aur.2306

Studie zu Traumaerfahrungen und PTBS-Symptomen bei autistischen Erwachsenen. Untersucht wird unter anderem, inwieweit auch subjektiv hochbelastende Ereignisse außerhalb klassischer DSM-5-Kriterium-A-Ereignisse mit PTBS-Symptomatik verbunden sein können.

Brewin CR. (2020). Complex post-traumatic stress disorder: a new diagnosis in ICD-11. BJPsych Advances. DOI: 10.1192/bja.2019.48
Link: https://doi.org/10.1192/bja.2019.48

Übersichtsarbeit zur Einführung der komplexen PTBS in die ICD-11. Die Publikation bietet eine begriffliche und diagnostische Einordnung von PTBS und kPTBS.

Familiäre Belastungen, chronischer Stress und Traumafolgen

Hartley G, Sirois FM, Purrington J, Rabey Y. (2024). Adverse Childhood Experiences and Autism: A Meta-Analysis. Trauma, Violence, & Abuse. DOI: 10.1177/15248380231213314
Link: https://doi.org/10.1177/15248380231213314

Metaanalyse zu belastenden Kindheitserfahrungen bei autistischen Menschen. Die Arbeit fasst den Stand der Forschung zu Häufigkeit und Größenordnung dieses Zusammenhangs zusammen.

Takeda T, Makinodan M, Toritsuka M, Iwata N. (2024). Impacts of adverse childhood experiences on individuals with autism spectrum disorder. Current Opinion in Neurobiology. DOI: 10.1016/j.conb.2024.102932
Link: https://doi.org/10.1016/j.conb.2024.102932

Übersichtsarbeit zu den Auswirkungen belastender Kindheitserfahrungen im Autismuskontext. Zusammengefasst werden Befunde zu psychischer Belastung, Verlauf und möglichen Mechanismen.

Andrzejewski T, McDonnell CG. (2025). Examining Adverse and Benevolent Childhood Experiences and Associated Psychosocial Outcomes Among Autistic Adults. Autism in Adulthood. DOI: 10.1089/aut.2024.0230
Link: https://doi.org/10.1089/aut.2024.0230

Erwachsenenstudie zu belastenden und unterstützenden Kindheitserfahrungen bei autistischen Erwachsenen. Untersucht werden Zusammenhänge mit Traumasymptomen, Resilienz, Inanspruchnahme von Behandlung und psychosozialer Belastung.

Kanina A, Larsson H, Sjölander A, et al. (2023). Association between cumulative psychosocial adversity in the family and ADHD and autism: a family-based cohort study. Translational Psychiatry. DOI: 10.1038/s41398-023-02571-7
Link: https://doi.org/10.1038/s41398-023-02571-7

Familienbasierte Kohortenstudie zu kumulativer psychosozialer Belastung in der Familie und Zusammenhängen mit ADHS und Autismus. Berücksichtigt werden dabei auch familiäre Mitfaktoren und mögliche Confounder.

Alford AY, Riggins AD, Cowan LT, et al. (2024). The relationship between adverse childhood experiences and developmental disorders: implications for family support and child advocacy. Children’s Health Care. DOI: 10.1080/02739615.2024.2307021
Link: https://doi.org/10.1080/02739615.2024.2307021

Studie zu Zusammenhängen zwischen belastenden Kindheitserfahrungen und Entwicklungsstörungen auf Basis bevölkerungsbezogener Daten. Die Arbeit differenziert zwischen verschiedenen ACE-Bereichen und beschreibt unterschiedliche Belastungsprofile.

Bali P, Sonuga-Barke E, Mohr-Jensen C, Demontis D, Minnis H. (2023). Is there evidence of a causal link between childhood maltreatment and attention deficit/hyperactivity disorder? A systematic review of prospective longitudinal studies using the Bradford-Hill criteria. JCPP Advances. DOI: 10.1002/jcv2.12169
Link: https://doi.org/10.1002/jcv2.12169

Systematische Übersichtsarbeit prospektiver longitudinaler Studien zum Zusammenhang zwischen kindlicher Misshandlung und ADHS. Die Ergebnisse stützen einen Zusammenhang, machen aber auch deutlich, dass die Kausalrichtung komplex bleibt.

Cleary M, West S, McLean L. (2023). From ‘Refrigerator Mothers’ to Empowered Advocates: The Evolution of the Autism Parent. Issues in Mental Health Nursing. DOI: 10.1080/01612840.2022.2115594
Link: https://doi.org/10.1080/01612840.2022.2115594

Historisch-konzeptioneller Beitrag zur Entwicklung von Elternbildern im Autismusfeld. Die Arbeit ordnet die frühere „refrigerator mother“-Vorstellung als überholte und stigmatisierende Fehlannahme ein.

Hinweis zur fachlichen Einordnung: Der NHS formuliert ausdrücklich, dass Autismus nicht durch „bad parenting“ verursacht wird.

Borderline-Persönlichkeitsstörung

Weiner L, Perroud N, Weibel S. (2019). Attention Deficit Hyperactivity Disorder and Borderline Personality Disorder in Adults: A Review of Their Links and Risks. Neuropsychiatric Disease and Treatment. DOI: 10.2147/NDT.S192871
Link: https://doi.org/10.2147/NDT.S192871

Übersichtsarbeit zu Zusammenhängen und Risiken bei ADHS und Borderline-Persönlichkeitsstörung im Erwachsenenalter. Dargestellt werden sowohl Überschneidungen als auch differenzialdiagnostisch relevante Unterschiede.

Ditrich I, Philipsen A, Matthies S. (2021). Borderline personality disorder and attention-deficit/hyperactivity disorder in adults: revisited and updated review. Borderline Personality Disorder and Emotion Dysregulation. DOI: 10.1186/s40479-021-00162-w
Link: https://doi.org/10.1186/s40479-021-00162-w

Aktualisierte Übersichtsarbeit zur Abgrenzung von Borderline-Persönlichkeitsstörung und ADHS bei Erwachsenen. Behandelt werden Symptomüberschneidungen, diagnostische Stolpersteine und klinische Konsequenzen.

May T, Pilkington PD, Younan R, Williams K. (2021). Overlap of autism spectrum disorder and borderline personality disorder: A systematic review and meta-analysis. Autism Research. DOI: 10.1002/aur.2619
Link: https://doi.org/10.1002/aur.2619

Systematische Übersicht mit Metaanalyse zur Überlappung von Autismus und Borderline-Persönlichkeitsstörung. Die Arbeit fasst Gemeinsamkeiten und differenzierende Merkmale zusammen.

Powell T, Parker J, Kitson H, Rogalewski M. (2024). “It Was Like the Final Piece in the Puzzle for Me”: A Qualitative Study on the Experiences of Autistic Women Initially Diagnosed with Borderline Personality Disorder. Autism in Adulthood. DOI: 10.1089/aut.2023.0031
Link: https://doi.org/10.1089/aut.2023.0031

Qualitative Studie zu den Erfahrungen autistischer Frauen mit vorausgegangener Borderline-Diagnose. Im Mittelpunkt stehen diagnostische Neubewertung, Passung der Erklärung und subjektives Erleben.

Tamilson B, Eccles JA, Shaw SCK. (2025). The experiences of autistic adults who were previously diagnosed with borderline or emotionally unstable personality disorder: A phenomenological study. Autism. DOI: 10.1177/13623613241276073
Link: https://doi.org/10.1177/13623613241276073

Qualitative Studie zur Perspektive autistischer Erwachsener mit früherer Diagnose einer Borderline- oder emotional instabilen Persönlichkeitsstörung. Die Arbeit beschreibt subjektive Erfahrungen von diagnostischer Überlagerung und Neubewertung.

Bipolare Störung

Salvi V, Ribuoli E, Servasi M, Orsolini L, Volpe U. (2021). ADHD and Bipolar Disorder in Adulthood: Clinical and Treatment Implications. Medicina. DOI: 10.3390/medicina57050466
Link: https://doi.org/10.3390/medicina57050466

Übersichtsarbeit zur klinischen Differenzierung und zu Behandlungsfragen bei ADHS und bipolarer Störung im Erwachsenenalter.

Schiweck C, Arteaga-Henriquez G, Aichholzer M, et al. (2021). Comorbidity of ADHD and adult bipolar disorder: A systematic review and meta-analysis. Neuroscience and Biobehavioral Reviews. DOI: 10.1016/j.neubiorev.2021.01.017
Link: https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2021.01.017

Metaanalyse zur Komorbidität von ADHS und bipolarer Störung im Erwachsenenalter. Die Arbeit fasst Daten zu gemeinsamem Auftreten und klinischer Relevanz zusammen.

Comparelli A, Polidori L, Sarli G, et al. (2022). Differentiation and comorbidity of bipolar disorder and attention deficit and hyperactivity disorder in children, adolescents, and adults: A clinical and nosological perspective. Frontiers in Psychiatry. DOI: 10.3389/fpsyt.2022.949375
Link: https://doi.org/10.3389/fpsyt.2022.949375

Übersichtsarbeit zur klinischen und nosologischen Abgrenzung von bipolarer Störung und ADHS über die Lebensspanne.

Parker G. (2025). Comorbid ADHD and Bipolar Disorder – An Update. Australasian Psychiatry. DOI: 10.1177/10398562251351448
Link: https://doi.org/10.1177/10398562251351448

Aktueller Überblick zu Differenzialdiagnostik und Komorbidität von ADHS und bipolarer Störung.

Erschöpfung, Depression, Angst und Burnout

Raymaker DM, Teo AR, Steckler NA, et al. (2020). “Having All of Your Internal Resources Exhausted Beyond Measure and Being Left with No Clean-Up Crew”: Defining Autistic Burnout. Autism in Adulthood. DOI: 10.1089/aut.2019.0079
Link: https://doi.org/10.1089/aut.2019.0079

Grundlagenarbeit zur Definition von autistischem Burnout als Zustand ausgeprägter Erschöpfung, Funktionsverlusts und verminderter Belastbarkeit.

Higgins JM, Arnold SRC, Weise J, et al. (2021). Defining autistic burnout through experts by lived experience: Grounded Delphi method investigating #AutisticBurnout. Autism. DOI: 10.1177/13623613211019858
Link: https://doi.org/10.1177/13623613211019858

Arbeit zur lived-experience-orientierten Definition von autistischem Burnout. Beschrieben werden Merkmale, Abgrenzungen und zentrale Belastungsdimensionen.

Ali D, Bougoure M, Cooper B, et al. (2025). Burnout as experienced by autistic people: A systematic review. Clinical Psychology Review. DOI: 10.1016/j.cpr.2025.102669
Link: https://doi.org/10.1016/j.cpr.2025.102669

Systematische Übersichtsarbeit zum Burnout-Feld im Autismuskontext. Zusammengefasst werden Begriffsverwendung, Erlebensaspekte und Grenzen des bisherigen Forschungsstands.

Benatov J, Sarel-Mahlev E, Bar Yehuda S. (2025). Camouflage, Burnout-Exhaustion, and Depression in Autistic Adults. Autism in Adulthood. DOI: 10.1089/aut.2024.0147
Link: https://doi.org/10.1089/aut.2024.0147

Studie zur Verbindung von Camouflaging, Burnout-Erschöpfung und depressiver Symptomatik bei autistischen Erwachsenen.

Hinze E, Paynter J, Dargue N, Adams D. (2024). The Presentation of Depression in Depressed Autistic Individuals: A Systematic Review. Review Journal of Autism and Developmental Disorders. DOI: 10.1007/s40489-024-00480-z
Link: https://doi.org/10.1007/s40489-024-00480-z

Systematische Übersichtsarbeit zur Darstellung depressiver Symptomatik bei autistischen Menschen. Die Arbeit beschreibt klinische Besonderheiten und diagnostische Herausforderungen.

Hollocks MJ, Lerh JW, Magiati I, Meiser-Stedman R, Brugha TS. (2019). Anxiety and depression in adults with autism spectrum disorder: A systematic review and meta-analysis. Psychological Medicine. DOI: 10.1017/S0033291718002283
Link: https://doi.org/10.1017/S0033291718002283

Metaanalyse zu Angst und Depression bei autistischen Erwachsenen. Die Arbeit fasst die Datenlage zur Häufigkeit dieser Komorbiditäten zusammen.

Körperliche Begleitbelastungen und somatische Komorbiditäten

Csecs JLL, Iodice V, Rae CL, et al. (2022). Joint Hypermobility Links Neurodivergence to Dysautonomia and Pain. Frontiers in Psychiatry. DOI: 10.3389/fpsyt.2021.786916
Link: https://doi.org/10.3389/fpsyt.2021.786916

Studie aus einer neurodivergenten Erwachsenenstichprobe zu Zusammenhängen zwischen Gelenkhypermobilität, Dysautonomie-Symptomen und Schmerzen.

Quadt L, Csecs J, Bond R, et al. (2024). Childhood neurodivergent traits, inflammation and chronic disabling fatigue in adolescence: a longitudinal case-control study. BMJ Open. DOI: 10.1136/bmjopen-2024-084203
Link: https://doi.org/10.1136/bmjopen-2024-084203

Longitudinale Studie zu neurodivergenten Merkmalen, Entzündungsmarkern und chronisch behindernder Fatigue in der Adoleszenz.

Baeza-Velasco C, Vergne J, Poli M, Kalisch L, Calati R. (2025). Autism in the context of joint hypermobility, hypermobility spectrum disorders, and Ehlers-Danlos syndromes: A systematic review and prevalence meta-analyses. Autism. DOI: 10.1177/13623613251328059
Link: https://doi.org/10.1177/13623613251328059

Systematische Übersichtsarbeit mit Prävalenz-Metaanalysen zur Schnittstelle von Autismus, Gelenkhypermobilität, HSD und Ehlers-Danlos-Syndromen.

ARFID, Nahrungsselektivität, Interozeption und Essstörungen

Bayoumi SC, Halkett A, Miller M, Hinshaw SP. (2025). Food selectivity and eating difficulties in adults with autism and/or ADHD. Autism. DOI: 10.1177/13623613251314223
Link: https://doi.org/10.1177/13623613251314223

Erwachsenenstudie zu Essschwierigkeiten, Geschmack, Textur sowie Hunger- und Sättigungswahrnehmung bei Autismus, ADHS und kombiniertem Profil.

Thomas KS, Keating J, Ross AA, Cooper K, Jones CRG. (2025). Avoidant/restrictive food intake disorder (ARFID) symptoms in gender diverse adults and their relation to autistic traits, ADHD traits, and sensory sensitivities. Journal of Eating Disorders. DOI: 10.1186/s40337-025-01215-z
Link: https://doi.org/10.1186/s40337-025-01215-z

Studie zur Verbindung von ARFID-Symptomatik, autistischen Traits, ADHS-Traits und sensorischer Sensitivität bei genderdiversen Erwachsenen.

Sader M, Weston A, Buchan K, et al. (2025). The Co-Occurrence of Autism and Avoidant/Restrictive Food Intake Disorder (ARFID): A Prevalence-Based Meta-Analysis. International Journal of Eating Disorders. DOI: 10.1002/eat.24369
Link: https://doi.org/10.1002/eat.24369

Metaanalyse zur Ko-Vorkommensfrage von Autismus und ARFID. Die Arbeit fasst Prävalenzdaten und Größenordnungen des Zusammenhangs zusammen.

Makin L, Allen K, Tchanturia K. (2026). Time to Notice Neurodiversity in Eating Disorder Services: A Three-Year Real-World Analysis of Autism, ADHD, and AuDHD. Frontiers in Psychiatry. DOI: 10.3389/fpsyt.2026.1787957
Link: https://doi.org/10.3389/fpsyt.2026.1787957

Analyse aus einem spezialisierten Essstörungssetting zu Autismus, ADHS und AuDHD. Beschrieben werden klinische und funktionelle Belastungen der untersuchten Gruppen.

Christiansen GB, Petersen LV, Chatwin H, et al. (2025). The role of co-occurring conditions and genetics in the associations of eating disorders with attention-deficit/hyperactivity disorder and autism spectrum disorder. Molecular Psychiatry. DOI: 10.1038/s41380-024-02825-w
Link: https://doi.org/10.1038/s41380-024-02825-w

Große populationsbezogene Studie zu Zusammenhängen zwischen Essstörungen, ADHS und Autismus unter Berücksichtigung komorbider Bedingungen und genetischer Faktoren.

Westwood H, Mandy W, Brewer R. (2025). The Relationship Between Interoception, Alexithymia, Autistic Traits and Eating Pathology in Autistic Adults. Journal of Autism and Developmental Disorders. DOI: 10.1007/s10803-024-06708-5
Link: https://doi.org/10.1007/s10803-024-06708-5

Studie zu Zusammenhängen zwischen Interozeption, Alexithymie, autistischen Merkmalen und Esspathologie bei autistischen Erwachsenen.

* Alle Preise sind Orientierungswerte. Abrechnung nach GOÄ auf Grundlage der tatsächlich erbrachten ärztlichen Leistungen.
 

Privatpraxis für Autismus- und ADHS-Diagnostik für Erwachsene | In Bornhöved bei Bad Segeberg

Impressum · Datenschutzerklärung

© 2026 Autismus Privatpraxis Kristina Dykstein – Alle Rechte vorbehalten 

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.